Neue Blogbeiträge


Steinplatte von Kylver

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Gastartikelreihe: Die Rückkehr der Stämme

Eine Rückkehr der Ásatrú scheint auch Jahre nach der Gründung einer Vielzahl von Gruppierungen nicht gelungen: Die Bemühungen von Eldaring, Verein für Germanisches Heidentum und Co können im besten Falle halbherzig genannt werden.

Es krankt an einer Beschäftigung mit der Thematik, die über Quellenkritik und Geschichtsinteresse hinausgeht, es mangelt an interdisziplinären Versuchen, die Alte Sitte aufzuarbeiten: Nicht nur in alten Manuskripten, Runeninschriften und archäologischen Funden müssen wir unseren Kult wiederentdecken, sondern insbesondere im Menschen selbst. Soziologische und anthropologische Untersuchungen fehlen aber bis heute auf diesem Gebiet nahezu vollständig.

 

Askatasuna ist ein langjähriger Freund von mir; derjenige, mit dem ich am meisten gemein habe und von dem mich am meisten scheidet, der ewige Widersacher in Gesprächen und der Teufel, der meine Weltsicht wie kein anderer hinterfragt hat. Er hat sich bereit erklärt, seine Sicht der Dinge – die sozialwissenschaftliche – darzustellen. Nicht in allen Punkten stimmen wir überein, aber seine Analyse ist scharfsinnig und äußerst treffend. Sie untergräbt das „moderne Heidentum“ und fällt ein vernichtendes Urteil.

 

Der Text, für Eichenstamm leicht angepasst, ist komplex und schwierig – denn die Themen sind komplex und schwierig. Der Versuch einer umfassenderen Vereinfachung wurde rasch aufgegeben, der Inhalt hätte darunter gelitten. Insbesondere der erste Teil ist kompliziert, viele Grundlagen werden in wenige Zeilen gepresst. Aber sie sind notwendig, um die weiteren Gedankengänge nachzuvollziehen. Und: Es sind keine philosophischen Betrachtungen, die man sich interessehalber zu Gemüte führen möchte. Es sind Analysen und Zukunftsperspektiven, die jeden Asentreuen betreffen.

 

Aufgrund der Länge der insgesamt drei Artikel habe ich sie jeweils in der Mitte aufgetrennt und so in 6 kleinere Artikel aufgeteilt. Dadurch hoffe ich die Lesbarkeit zu erhöhen und der kurzen Konzentrationsspanne, die unsere Gesellschaft leider mitbringt (mich eingeschlossen), so etwas entgegen zu kommen.

Der erste Teil wird nächste Woche veröffentlicht.

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Sorcery and Religion in Ancient Scandinavia - Varg Vikernes

Kurzinfos

Autor: Varg Vikernes

 

Verlag: Selfpublishing

 

Veröffentlichung: 2011


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Schamanismus

Bei modernen Asentreuen wird sehr häufig der Begriff Schamanismus gefunden, sei es als esoterischer Weg der Selbsterkenntnis und Heilung (siehe etwa Edred Thorsson), sei es als Attribut für Odin, dessen Tierverwandlungen, Selbstopfer und Rolle als Wanderer zwischen den Welten den Schamanen par excellence darzustellen scheinen. Hin und wieder trifft man auf Gegenmeinungen, die betonen, der Schamanismus stamme ursprünglich aus Sibirien, in der Masse gehen diese allerdings unter. Neben zahllosen modernen Runenmagiern und Heilpraktikern, die sich auf den Schamanismus beziehen, wirken vor allem andere indigene Urkulturen als gute Gegenbeispiele, nord- und südamerikanische Völker etwa, afrikanische Gruppen und die Samen aus Lappland, bei denen man Schamanismus ebenso vorzufinden glaubt. Bei all diesen Stämmen sind „schamanische” Riten und Personen bezeugt. Ist damit also belegt, dass Schamanismus eben nicht nur aus Asien stammt und auch für den europäischen Norden angewandt werden kann?

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Paganism Explained - Part I: Þrymskviða - Varg Vikernes

Kurzinfos

Autor: Varg Vikernes, Marie Cachet

 

Verlag: Selfpublishing

 

Veröffentlichung: 2017


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Rind: Primärquellen

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Rind: Zusammenfassung

Rind ist die Mutter Vális und wird nur in diesem Zusammenhang eindeutig genannt. Abgesehen davon ist wenig über sie überliefert, Name und Rolle als Mutter eines vermuteten Frühjahrsgottes legen allerdings eine Nähe zu einer Vegetationsgöttin nahe. Laut Gylfaginning gehört sie zu den Asen.

Eventuell stammt der Name Rind von Vrindr ab, was dem Stabreim in Balders draumar 11 entgegenkommen würde (Simek). Vrindr könnte dann so viel wie „Efeu” bedeuten (Chiesa Isnardi). In diesem Falle finden wir ein Überbleibsel des Namens vielleicht in dem schwedischen Ortsnamen Vrinnevi (von „Wrindawi”), wobei „-vi” sowohl Heiligtum (Brate) als auch Wald, von „viþi”, bedeuten könnte (Simek). Ein Kultort der Göttin an dieser Stelle ist also denkbar, wenn auch nicht erwiesen.
Außerdem, weniger wahrscheinlich, könnte der Name auch aus der indoeuropäischen Wurzel *wer stammen, das „bedecken”, „schließen” bedeutet, an das serbische rudina erinnern („Wiese”), oder vom indoeuropäischen *wren, „spritzen” kommen (Chiesa Isnardi).
Grimm führt den Namen auf das althochdeutsche rinta bzw. das angelsächsische rind zurück, also „Baumrinde”. Dahn sieht in ihr vielmehr die Erdrinde.

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Váli: Zusammenfassung

Váli ist der Sohn Odins und der Rinda und der Rächer Balders. Er wird als tapfer im Kampf und als guter Bogenschütze beschrieben (Gylf. 30). Das und die vermutete Beziehung zum Frühling könnten darauf hindeuten, dass sein römisches Pendant Apollon ist (Dahn).

Die Deutung seines Namens bringt Schwierigkeiten mit sich und ist nicht abschließend geklärt. Vielleicht heißt Váli — von „wanilo” kommend — so viel wie „der Kleine der Vanen” oder „kleiner Kämpfer” (Chiesa Isnardi u.a.), Nordenstreng formulierte die These, der Name stamme aus dem Urnordischen „waihalaR”, „der Streitbare”. Simek verwirft beide Theorien und bietet keinen Lösungsvorschlag an.
Snorri nennt außerdem den Namen Áli als Alternative („Áli oder Váli heißt ein anderer …”, Gylf. 30), Chiesa Isnardi verweist jedoch darauf, dass Váli und Áli in den Thulur zwei verschiedene Charaktere zu sein scheinen.
Als einen weiteren möglichen Namen erwähnt Golther Ran, der im Grógaldr 6 genannt wird: „þann gól Rindi Rani” („Es sang Rind dem Ran”).

Mit Váli, der als Lokis Sohn genannt wird, hat Odins Sohn Váli nichts zu tun.

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Váli: Primärquellen

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Der individuelle Glaube

Heutzutage wird die Religion als etwas Individuelles betrachtet. Ein bisschen wie ein Lebensstil, eine Weltanschauung, es ist jedem Menschen frei überlassen, woran er glauben möchte. Diese Religionsfreiheit ist sogar im Grundgesetz verankert und gilt als wichtiges Gut eines modernen, demokratischen Staates.
Tatsächlich ist die Religionsfreiheit ein hohes Gut, das im Folgenden nicht infrage gestellt werden soll. Ebenso wenig soll das ein Missionierungsaufruf oder ein Absolutheitsanspruch werden, ganz im Gegenteil. Eher geht es um die Fragestellung, wie viel mehr wir in den 1000 Jahren verloren haben und wohl nicht wiedergewinnen werden, wie viel mehr als das Wissen, das nicht überliefert wurde, wie viel mehr als unsere Tradition.
Wir haben unser Verständnis vom Glauben verloren.

Wie in einem anderen Artikel bereits dargelegt, bezeichnet das Wort Religion, das uns seit Jahrhunderten prägt, das, was für den Asenglauben der Begriff „Alte Sitte” bezeichnet. Ebenso wie auch „din” für den Islam und „dharma” für den Hinduismus bezeichnen Religion und Alte Sitte keine göttlichen Eigenschaften, Götterkult etwa, sondern etwas Soziales, Gesellschaftliches. Religion  (Alte Sitte/Din/Dharma) war fester Bestandteil der Gesellschaft, der Kult ein Teil der Kultur, die gesellschafliche Ordnung zu akzeptieren bedeutete die Götter zu ehren, die Normen anzuerkennen war gleichgesetzt damit, den religiösen Normen zu folgen.
In einer säkularisierten Gesellschaft wie der, in der wir leben, wird diesen Kategorien der Boden entzogen. Und damit wird der Glaube um wichtigte Facetten gebracht, die ihn eigentlich vervollständigen würden. Der Ethnologe Durkheim meinte gar, die Religion sei es, die Kulturen und Gesellschaften erbaue.
Welche Kulturen erbauen Atheismus und eine Religion, die innerhalb der Gemeinschaft keinen gemeinsamen Nenner mehr haben?

Ein Glaube, ein Kult bedeutet, dass ein Mensch die verwendeten Symbole (Zeichen, Mythen usw.) dekodifiziert, eine Umwelt, seine Vorfahren, seine Gesellschaft dekodifiziert, sich selbst darin erkennt, sich selbst dekodifiziert. Ein Glaube, ein Kult bedeuten eine Identifikation mit kollektiven Symbolen und Konsens. „Religion” (im Sinne unterschiedlichster Glaubenssysteme) ist also auf ganzer Ebene kollektiv.
Identifikation. Gesellschaft. Kollektives Gemeinschaftsgefühl. All diese Dinge kommen uns heutzutage immer mehr abhanden — und das nicht von ungefähr. Bereits das Christentum hat die kollektive Wurzel ausgerissen, die Spiritualität auf Eliten konzentriert und damit den gemeinschaftlich erlebten Glauben in ein Ungleichgewicht gebracht. Die Kritik der Aufklärer und von Philosophen wie Feuerbach, Nietzsche und Marx war längst überfällig, die darauf folgende Säkularisierung eine logische Konsequenz.

Heute ist Glaube eine individuelle Entscheidung. Allgemein ist heute alles individuell, das egozentrische Individuum scheint der weiseste Mitbürger, ist er doch immer auf sein eigenes Wohl fixiert. Ellbogengesellschaft ist eine betrauerte Folge davon — eine, die nichtsdestotrotz auf allen Ebenen gefördert wird.
Und mittendrin steht der Mensch mit seinem individuellen Glauben, sucht nach göttlichem Anreiz und göttlichen Antworten und versteht nicht, warum diese höheren Mächte fern bleiben. Die Glücklichen unter ihnen haben eine fanatische Sekte gefunden, in der die Glaubensregeln höher stehen als die gesellschaftlichen. Die weniger Glücklichen versuchen händeringend Glaube und Gesellschaft miteinander zu vereinen, auch wenn beide in entgegengesetzte Richtungen zerren. Und während es in der unglaublichen Masse von Katholiken und Protestanten, Anglikanern und Orthodoxen, Mormonen und Zeugen Jehovas, Hinduisten und Buddhisten, konservativen Asentreuen, Neuheiden und Altheiden an Individualität nicht fehlt, mangelt als an religiösen Gemeinschaften, die imstande sind, der Spiritualität einen ausreichend großen Platz im Leben einzuräumen. Das größte Geschwür, das größte Opfer dieser Zeit erblickt man in den Reihen der Ásatrúar selbst, wo die Individualität dazu geführt hat, dass hunderte dieselben Götter haben, aber keiner denselben Kult.

Jeder kennt das berauschende Gefühl einer Gemeinschaft. Mancher kennt das berauschende Gefühl einer Gemeinschaft, die sich in überirdische Kreise aufschwingt, während sie das Göttliche sucht.
Die altenglische Sprache hatte ein eigenes Wort für diese kollektive Kraft: „Dream” bezeichnete den tranceartigen Zustand bei geselligem Zusammensein. Heute ist „dream” etwas gänzlich anderes geworden. Im wörtlichen und übertragenen Sinne.

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Das polytheistische Weltbild

Aufgrund der inzwischen jahrhundertelangen Tradition des Christentums in Europa sind die Spuren des Polytheismus mehr und mehr verschwunden. Der Verlust ist hierbei nicht unbedingt die Alte Sitte im Speziellen, sondern die polytheistische Weltsicht im Allgemeinen, die allen (oder vielen) Glaubensformen mit mehreren Gottheiten zueigen ist.
Dabei reicht es auch nicht, einfach einen Blick nach links und rechts zu anderen polytheistischen Kulten unserer Zeit zu werfen: Christentum, Islam und Judentum vereinen die überragende Mehrheit von Gläubigen in ihren Kreisen und bilden so eine öffentliche Meinungshoheit, die suggeriert, es gäbe nur dieses Gottesverständnis. In allen erdenklichen Talkshows und Dokumentationen, die sich den Glauben zum Thema genommen haben, werden christliche, muslimische und atheistische Gäste geladen — vom polytheistischen Weltbild erfährt man erst, wenn man sich spezifisch damit befasst.
Das traurige Ergebnis: Tausende Menschen, die sich vom Glauben abwenden, weil sie der Wahrheitsanspruch anwidert, weil sie sich keinen göttlichen Dogmen beugen wollen, weil sie die institutionellen Machenschaften nicht zu unterstützen gedenken, weil sie Religionen Kriege vorwerfen und weil sie keinen Bezug von diesem Gott und seiner Lehre zu ihrem Leben feststellen.

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Politische Einflussnahmen

Die Politik ist ein beträchtliches Problem für den modernen Asenglauben. Die Geschichte des letzten Jahrhunderts hat dermaßen großen Einfluss auf unseren Kult genommen, dass noch heute in Filmen über Rechtsradikale und Nazis diese ein T-Shirt mit der Aufschrift „Odin statt Jesus” tragen, der obligatorische Thorshammer um den Hals baumelt und dutzende Runen auf ihre Haut tätowiert sind.
Im Mainstream sind Interessierte am „germanischen Heidentum” heute noch Rechtsradikale, Sprösslinge einer menschenverachtenden Ideologie — oder zumindest Geschichtsvergessene, die keinen Respekt vor den Opfern des Nationalsozialismus kennen, da sie sich  noch immer mit seinen Symbolen schmücken.

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Kritik der Wissenschaft

Die besondere Herausforderung des modernen Asenglaubens ist die gebrochene Tradition und die unvollständige Überlieferung. Das dies gute tausend Jahre zurückliegt, macht die Situation zusätzlich schwierig. Aus diesem Grund wird in der Wissenschaft häufig die Haltung vertreten, ein moderner Asenglaube sei nicht möglich, die Anhänger gar nur „Ewiggestrige” oder „Unterpriviligierte”, die in dem Glauben „ein Sinnangebot” sehen „oder, besser gesagt, den Traum an eine heile, andere Welt, den ihnen das Christentum oder andere zeitgenössische Ideologien nicht mehr geben zu können scheinen” (Simek). Vielmehr als ein Glaube wird die moderne Asentreue also als Ideologie betrachtet, welche häufig gar in Extreme abdriftet.
In der öffentlichen Meinung betrifft das vor allem rechte Kreise: Nicht nur, dass dem „germanischen Heidentum” noch heute ein schlechter Ruf anhaftet, aufgrund der Beschäftigung des Dritten Reiches mit dem „Germanenerbe” sowie der Verwendung von Runen und Swastika. Tatsächlich haben sich auch noch Jahrzehnte danach angeblich „heidnische” Gruppierungen nebst Wiederbelebung des Glaubens vor allem mit rechtem Gedankengut befasst.
Weniger bekannt ist, dass heutige Asengläubige davon vielfach explizit Abstand nehmen, ja im Gegenteil eine linksgerichtete bis linksextreme Haltung in Ásatrú-Reihen zu beobachten ist. Noch heute befassen sich die Anhänger unverhältnismäßig viel mit politischen Ideen, seien es linke als auch rechte, wobei keine von beiden Seiten einer tatsächlich authentischen Glaubensausübung nahekommen kann, da die Alte Sitte wie jeder andere Glaube fernab von politischen Gesinnungen verstanden werden muss — zumal seine Wurzel in einer Zeit liegt, in der politische Parteien noch lange kein Thema waren.

Entgegen der wissenschaftlichen Meinung, die Alte Sitte sei aufgrund ihrer gebrochenen Tradition als authentisches Glaubenssystem nicht zu gebrauchen, finden sich heute immer mehr Menschen, die ihre Treue den alten Göttern weihen. Dies wird nicht darum unglaubhaft, weil die Wissenschaft die Alte Sitte lediglich als Forschungsobjekt oder epochalen Kult der Geschichte anerkennt.
Glaubt man an die tatsächliche Existenz von etwas Göttlichem, steht die Alte Sitte anderen Kulten, etwa monotheistischen wie dem Christentum und Islam, an Glaubwürdigkeit in nichts nach. Wird eine überirdische Macht generell verneint, so müssen diese Religionen wie auch die Alte Sitte als „Ideologie” abgetan werden. Lässt man den Glauben anderer Religionen jedoch zu, muss dies auch für die Asentreue gelten: Die alten Götter werden nicht darum inexistent, weil ihr Kult gebrochen wurde. Wie vor tausend Jahren an sie geglaubt werden konnte, so ist dies auch heute noch möglich. Unter diesem Aspekt lade ich jeden Wissenschaftler dazu ein, die alten Götter nicht als „Figuren” oder lediglich „Forschungsobjekt” zu betrachten, sondern den Spieß umzudrehen: Die Disziplin der Altnordistik als Forschung, die sich mit einer Tradition befasst, die tatsächlich einmal lebendig war und wieder sein kann (ähnlich wie es die Theologie für das Christentum ist). Das Göttliche an sich kann nicht inaktuell werden und aus diesem Grund ist eine moderne Asentreue nicht weniger denkbar als ein modernes Christentum, im Gegenteil.

Häufig spricht die Wissenschaft den großen Mangel an Wissen an, der sie im Bereich der Altnordistik beschäftigt. Zwar haben wir einige Quellen zu Göttern und Kultausübung, die Überlieferung kann aber bei Weitem nicht als vollständig betrachtet werden.
Jedoch ist auch hier der Zugang zu rational und zu wenig spirituell motiviert. Ein Glaube lebt vor allem von dem persönlichen Kontakt zwischen Gläubigem/Glaubensgruppe und Gottheit, den sogenannten mystischen Erfahrungen. Als Wissenschaftler mag man diese infrage stellen bzw. auf neurochemische Prozesse schieben, als Gläubiger bezieht man sie auf Erfahrungen, die zwar nicht messbar, aber dennoch sehr real sind. Ebenso wie ein Christ zu seinem Gott betet und Antworten zu erhalten meint, so kann ein Anhänger der Firnen Sitte solche Begegnungen haben.
Trotz des Alters der Tradition und trotz des Bruchs, der uns eine Lücke von vielen Jahren bescherte, berichten Asentreue oft von spirituellen Erfahrungen und Begegnungen mit den alten Göttern. Für solche Erlebnisse ist eine vollständige Überlieferung aus alter Zeit nicht vonnöten, wenngleich allein Spiritualität noch kein komplettes Glaubenssystem ausmacht. Um die Alte Sitte wieder aufleben lassen zu können, brauchen wir beides: Spiritualität und historische Krücken dafür, was einmal geglaubt und bei Ritualen gemacht wurde. Es ist eine schwierige Aufgabe, die wir uns gestellt haben, aber sie ist nicht unmöglich.

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Wikingerschatz auf Rügen gefunden

Im Januar 2018 fanden die dreizehnjährigen Luca Malaschnitschenko und René Schön einen Wikingerschatz auf einem Acker auf Rügen, jetzt wurde der Fund publik gemacht. Es handelt sich um einen Silberfund von etwa 600 Münzen, Armreifen und — einem Thorshammer. Man vermutet Harald Blauzahn, oder zumindest einem seiner Begleiter, der im Jahr 986 vor Sven Gabelbart floh, als Eigentümer des Schatzes. Dabei hat er wohl den Schatz mitgenommen und vergraben. Die verantwortlichen Archäologen sind mit solcherlei Schätzungen aber noch vorsichtig.
Unter den Münzen finden sich Stücke aus weiten Teilen der Welt, so etwa auch einen arabischen Dirhem aus dem Anfang des 8. Jahrhunderts. Der Großteil besteht aus Kreuzbrakteaten, also einseitig geprägten Silbermünzen, auf die ein Kreuz geprägt wurde. Harald Blauzahn wurde als Anhänger der alten Götter geboren, konvertierte aber im Laufe seines Lebens zum Christentum. Als Zeit des religiösen Umbruchs gilt das 10. Jahrhundert auch ganz allgemein: Das Christentum gewann an Land, während der nordische Kult immer weiter zurückgedrängt wurde.
Der Schatz gilt als der größte Fund von Blauzahn-Münzen im südlichen Ostseeraum.

 

Quelle: Artikel von t-online.

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Wie kommen wir zur verlorenen Spiritualität?

Nachdem wir uns die Grundlagen angeeignet haben, nachdem wir uns in die zugänglichen Primärquellen eingelesen und die Sekundärquellen kritisch untersucht haben — was geschieht nun? Wie soll man trockene, realitätsbesessene Fakten in Spiritualität übersetzen? Und ist es überhaupt notwendig? Muss ich wissen, wie ein Alemanne bestattet wurde, wenn Grabbeigaben und Hügelgräber für mich ohnehin nicht zelebrierbar sind? Kann ich als Asentreuer des 21. Jahrhunderts wirklich mit der Idee, Thor würde Gewitter beschwören, etwas anfangen?

Zuerst einmal: Die Quellen und Fakten sagen uns nicht, was zwischen Menschen und Göttern auf spiritueller Ebene stattgefunden hat. Schon gar nicht sagen sie uns, wie die Götter auf die Menschen einwirkten. Was wir aber daraus beobachten können, ist der menschliche Versuch, den Blick der Götter auf sich zu lenken.
Wir wissen von Opferriten und Ritualen, wir wissen von Bestattungen und Hochzeiten, wir wissen von Magieausübung und dem Glauben an übersinnliche Kräfte. Nun ist es unsere Aufgabe, diese Fakten mit Leben zu füllen. Ein Ritual besteht nicht nur aus dem dargebotenen Opfer, sondern aus dem, was sich spirituell abspielt.

Ich kann hierfür keine Anleitung geben, denn dies ist der schwierigste Schritt, um unseren Glauben wiedererwachen zu lassen, und in meinen Augen auch derjenige, der am häufigsten unterschätzt wird. Und genauso glaube ich, dass niemand dafür jemals eine Anleitung geben kann, die online verfügbar ist, und die das abdeckt, was ein Ritual abdecken sollte. Rituale können vielleicht nacherzählt oder von Angesicht zu Angesicht weitergegeben werden, sie können miterlebt und in die eigene Blótgruppe importiert werden — aber ich halte es für den falschen Weg, von einem anonymen Gesichtspunkt zu einem anderen etwas so Höchstpersönliches und Delikates weiterzugeben.
Aus genau demselben Grund verurteile ich es auch, dass Rituale fremder Kulturen in der Vergangenheit übernommen und geringfügig angepasst wurden (christliche Rituale, die wir aufgrund unserer Erziehung für normal und selbstverständlich befinden und „heidnisiert” wurden; Rituale anderer „ursprünglicher” Kulturen, denen wir aufgrund ihrer archaischen Lebensweise eine Nähe zu den früheren Germanen unterstellen, weil alles Alte irgendwie gleich sein muss). Diese Art der Rituale hat sich mittlerweile in den Reihen der deutschen Asentreuen durchgesetzt, und mögen sie einmal für den einzelnen etwas Besinnliches und Einkehrendes gehabt haben, so sind sie mittlerweile durch die Öffentlichkeit und Omnipräsenz ausgewaschen und werden — völlig zurecht — von einem großen Teil der Asengläubigen belächelt.

Wir haben alle Puzzleteile, um unseren Kult neu auferstehen zu lassen. Wir kennen eine große Zahl der göttlichen Ansprechpartner, wir kennen die Mythen, die sie umgeben und wir kennen das profane Äußere, das die Rituale umgibt. Spiritualität, Übersinnliches und die Fähigkeit, das Transzendentale wahrzunehmen aber liegt in jedem Menschen, der glauben möchte. Wir müssen nur unsere persönliche Quelle anzapfen.

Ich bin selbst noch auf der Suche nach meinem Zugang zu funktionierenden Ritualen und beschäftige mich daher mit Quellen unterschiedlichster Machart. Aber noch bin von einer stabilen und zufriedenstellenden Grundlage weit entfernt. Erkenntnisse, Ideen und Meinungen werde ich hier auf jeden Fall darzustellen versuchen. Vielleicht, hoffentlich kommt am Ende ja doch ein Ergebnis heraus, das weiterhilft.

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Das Aneignen von Wissen

In dem Artikel „Der unwissende Asentreue” habe ich einerseits die wissenschaftliche Lektüre, andererseits die esoterischen Bücher als ungenügend für eine Ausübung unseres Kultes bezeichnet. Woher dann, wie soll ein moderner Asengläubiger also das Wissen nehmen? Woher die Spiritualität? Vor allem in Anbetracht dessen, dass nicht jeder diese Materie studieren kann, nicht jeder kann die alten Schriften entziffern, Altnordisch erlernen, um die Welt reisen, um die Primärquellen zu begutachten oder mit archäologischer Fachkenntnis Broschen und Schwertklingen untersuchen.
Selbst Forscher spezialisieren sich auf ein Fachgebiet und sind für das andere auf die Erkenntnisse einer anderen Disziplin angewiesen. Und nicht immer funktioniert der Dialog übrigens einwandfrei — sehr häufig kochen sie alle ihr eigenes Süppchen und belächeln die Herangehensweise des jeweils anderen, weil dahinter eine völlig andere Arbeitsphilosophie steht.

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Der unwissende Asentreue

Nahezu alle Anhänger der Alten Sitte haben eine Lieder-Edda bei sich im Bücherregal stehen, nicht alle von ihnen haben sie gelesen. Der Grund dafür ist naheliegend: Einerseits haben auch nicht alle (guten) Christen ihre Bibel gelesen, andererseits gehört die Alte Sitte nicht zu den sogenannten „Buchreligionen”, weshalb eine Lektüre der Edda nochmals freiwilliger sein muss.
In der Tat, sehr viele Menschen beschäftigen sich nur oberflächlich mit den Texten und Überlieferungen ihres Glaubens oder den sekundären Werken von Forschern, egal ob Christ, Buddhist oder Asentreuer. Vielfach wird als Argument hervorgebracht, dass die Wissenschaft den eigentlichen Kult zerfasere, dass sie alles rationalisiere und dass man sich lieber einen unbefangenen, freien Umgang bewahren möchte. Die Götter offenbaren sich nicht, weil man alle Runensteine nennen kann, auf die ihr Name geritzt wurde, nein, es geht vielmehr um einen persönlichen Zugang, die Fähigkeit, seinen Geist vom Irdischen zu lösen und mit den Göttern zu verbinden.
In dieser Hinsicht haben diese Menschen Recht und aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass die Zeiten, in denen man sich am intensivsten mit wissenschaftlicher Literatur zu seinen Göttern befasst, alles andere als die spirituell reichsten sind. Vielmehr verliert man sich in Fakten und Haarspalterei und kurzfristig kommt sogar der Blick für das allumfassende Ganze abhanden, das unseren Glauben eigentlich ausmacht.

Nichtsdestotrotz kann man sich vor der Wissenschaft nicht verstecken, denn sie ist unser einziger Weg. Nur durch sie können wir spirituelle Verbindungen überhaupt ziehen, etwa indem wir Odin mit Raben und Wölfen in Beziehung setzen, Thor als den Schützer unserer Welt betrachten und den Vanengeschwistern Freyr und Freyja eine Fruchtbarkeitsrolle zuweisen.
Und hier ist das Problem: Während die meisten Kulte unserer Zeit auf eine konstante Tradition zurückgreifen können, die eben nicht durch Bücher, sondern durch mündliche Überlieferung und Erziehung weitergegeben wird, findet sich bei der Alten Sitte ein Schnitt von knapp beziehungsweise über tausend Jahren (je nachdem aus welchem Land man stammt). Mag das Christentum auch eine Buchreligion sein, es hat Jahrhunderte überdauert, in denen der allergrößte Teil der Menschen analphabetisch war. Die christlichen Dogmen, Lehren und Mythen wurden erzählt und so am Leben gehalten. Ein heutiger Christ braucht die Bibel nicht zu lesen, auch wenn er es kann: Er wird die Botschaften seiner Religion überall in seinem Umfeld finden.
Für uns Asentreue gilt das nicht. Wir können unser Wissen in den seltesten Fällen aus kultureller Überlieferung ziehen, und das gilt dann nur für einzelne Fragmente von Mythen, verschlüsseltes Auftreten alter Gottheiten oder Bräuche, die sich über Jahrhunderte gewandelt haben und von christlichen Einflüssen durchzogen wurden. In den meisten Fällen schöpfen wir unser Wissen entweder aus den Büchern von Forschern der letzten zweihundert Jahre, die keinerlei Interesse daran haben, einen lebendigen Glauben wieder auferstehen zu lassen. Es geht ihnen um Fakten und Beweise (beziehungsweise im Falle der Autoren der Nationalromantik um eine Erschaffung einer ideologischen Grundlage), spirituelle Kleister zwischen diesen Tatsachen, die das Ganze verbinden würden, sind uninteressant beziehungsweise nicht wissenschaftlich genug, um sie in Büchern aufzuschreiben.
Andernfalls, und das ist bei Weitem schlimmer, entnehmen wir die Informationen aus dem esoterischen Schund, der auf den völkischen Ideologien des letzten Jahrhunderts beruht, egal wie sehr sich die Autoren auch davon distanzieren mögen. Sie haben sich das unerforschbare Spirituelle, das man in wissenschaftlichen Büchern nicht findet, zusammengereimt, mit verkaufsfördernden Schlagwörtern versehen und auf den Markt geworfen — und dabei bereitwillig über Fakten der Forschung hinweggesehen.
Die heutigen Quellen eines modernen Asentreuen sind also entweder die vernunftbesessenen Werke, die bar jedes spirituellen Ansatzes sind, oder die esoterischen Massenproduktionen, deren einziges Interesse das Orakeln zu sein scheint, das auf keinerlei historische Quelle zurückgreifen kann. Unnötig zu erwähnen, dass beide Sparten nicht als vollständige Grundlage für unseren Glauben dienen können,  im Falle der Esoterik noch nicht einmal im Ansatz.

In meinem Leben sind mir schon einige Asentreue begegnet, die einerseits die Eddas als „unwichtig” abgetan haben, da sie „von Christenhand geschrieben wurden und wir außerdem kein Dogma wie die Bibel brauchen”. Im gleichen Atemzug käuten sie wieder, was sie in Büchern renommierter Wissenschaftler gelesen hatten ohne zu realisieren, dass diese Wissenschaftler ihr Wissen auch nicht aus einer allein ihnen zugänglichen geheimen Quelle, sondern aus eben diesen Eddas schöpften (unter anderem). Sie hängen sich an die Mantelzipfel irgendwelcher Forschermeinungen, die sie in irgendwelchen Zeitschriften irgendeines vergangenen Jahres gelesen haben und haben es verpasst, sich in den Primärquellen ein eigenes Bild zu machen. Dabei wird die Tatsache, dass jede Aufarbeitung der Quellen stets ein Schritt mehr zwischen Original und Hörerschaft ist, ignoriert; in Wahrheit werden wir dadurch ständig in unserer Meinung manipuliert.


Wir, die wir uns den Glauben an die alten Götter auf die Fahne schreiben, wissen letztendlich weniger über sie, als Forscher, die mit kalter Rationalität an die Quellen herantreten. Wir ziehen unsere Informationen nicht aus eben diesen Quellen (die uns zur Verfügung stehen!), sondern aus wiedergekäuten Nacherzählungen der Wissenschaftler und pompös aufgeschmücktem Schund von profitgeilen Esoterikern.
Wir, die wir den Göttern opfern, haben dies nie von unseren Eltern gelernt und kopieren uns daher unsere Anleitungen arglos aus Büchern, die nachweislich Rituale nach christlichem Vorbild und eigenem Gefallen geschustert haben.
Können wir uns da wirklich beklagen, wenn die Wissenschaft uns belächelt? Solange wir immer nur in ihren Spuren laufen, und überall dort, wo es sich anbietet und nicht anbietet Gurus und Lebensberater, die angeblich irgendwelche godischen Ausbildungen genossen haben, um Antworten bitten, werden wir niemals ernst genommen werden. Jeder, der Ahnung von der Materie hat, kann sehen, wie hilflos der moderne Asentreue in unbekanntem Gewässer strampelt und zusammenhanglos Schlagworte herausposaunt, die er irgendwo gelesen hat: „Snorri war Christ!”, „Runenmagie!”, „Göttervater Odin!”

Daher lautet meine Antwort auf die Frage, ob sich ein moderner Asentreuer ausgiebig mit den Quellen beschäftigen muss: Ja. Und er muss es leidenschaftlicher tun als jeder andere.

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