Neue Blogbeiträge


Buchbesprechung: „Ruf der Runen“ von Igor Warneck

Inhaltlich trifft Igor Warneck mit seinem Runenbuch genau den Kern derer Runenbücher, vor denen ich immer wieder warne. Runengesänge, Runentänze, Runeninterpretationen, die dem modernen Menschen bestens angepasst wurden – all diese Dinge geben den Eindruck, bei den Runen handle es sich um Werkzeuge für das perfekte, ausgeglichene Leben. Tatsächlich aber fehlt es an fundamentiertem Wissen, an Erfahrungen, die über die esoterischen Runen hinausgehen, an einem komplexen Bild, was Runen denn eigentlich bei den Germanen waren – und nicht, wozu sie im 20. und 21. Jahrhundert gemacht wurden.

Ich beginne chronologisch.

 

[…] Irgend etwas in mir wußte etwas über die Runen, doch ich kannte „es“ nicht. „Es“ regte sich immer wieder auf: über Literatur zu den Runen, über Wissende, Meister und Druiden, und ich rebellierte. […] Bücher zum Thema konnte ich liegen lassen, mich nach innen wendend, meinem wissenden „Es“ folgend, auf der Suche nach dem Wissen der Runen. […] Ich begab mich auf den Weg, die Runen selbst kennenzulernen, ohne die Umwege über theoretische Quellen. Ich kannte die Zeichen, ich kannte die Namen, das war es. Den Rest brachte mir „Es“ bei.

 

mehr lesen 0 Kommentare

Allgemeine Begriffe

Die genaue Etymologie des Begriffes »Rune« ist umstritten, Grundsätzliches aber geklärt. Es kommt in allen germanischen Sprachen vor, gotisch »runa«, althochdeutsch »runa(stab)«, altenglisch »run«, altnordisch »rún« und mittelhochdeutsch »rûne«. Aufgrund der Lautverschiebung müsste sie im Neuhochdeutschen als »Raune« überliefert sein (siehe das Verb »raunen« mit derselben Wurzel). Tatsächlich aber muss das Wort irgendwann abhanden gekommen sein, erst im 17. Jahrhundert wurde es von den skandinavischen Sprachen übernommen und eingedeutscht: Rune.
Weitere Wortwurzeln finden sich in »Geraune« (gotisch »garuni«, althochdeutsch »giruni«) sowie in einigen Namen wie Sigrun, Heidrun, Gudrun usw. Außerdem ist es im Namen der Pflanze Alraune erhalten. Eine weitere etymologische Verbindung findet sich für das Mittelhochdeutsche »rienen«, was so viel wie »jammern« bedeutet. Das altirische »run« und das kymrische »rhin« führten zu der Vermutung, dass das germanische Wort dem Keltischen entlehnt wurde. Keine Verwandtschaft besteht vermutlich zum finnischen »runo« (Lied); die finnische Sprache hat keine indogermanischen Wurzeln.
»Rune« bedeutet so viel wie »Geheimnis«, Arntz führt außerdem »Kulthandlung« hinzu. Dies zusammen mit der ausschließlich kultisch-sakralen Verwendung von Runen weist stark darauf hin, dass es sich bei den Runen des Älteren Futharks um eine Kultschrift, nicht um eine Gebrauchsschrift handelte. Gerade die Namensritzungen auf Gegenständen wird allerdings nicht durchwegs kultisch interpretiert, im Gegenteil bestehen einige Forscher darauf, die Inschrift eines Personennamen oder der Gegenstandsbezeichnung auf dem Gegenstand selbst sei profan oder gar eine banale »Schreibübung«.

mehr lesen 0 Kommentare

Die formale Herleitung der Runen

In seinem Handbuch der Runenkunde spricht sich Helmut Arntz für eine Herkunft der Runen aus Oberitalien aus. Er vergleicht die dort gefunden Alphabete mit den einzelnen Runen und findet in mühsamer Kleinarbeit für immerhin 18 der 24 Runen eine norditalische Entsprechung. Das ist mehr als man für das lateinische, geschweige denn das griechische Alphabet finden konnte. Neben der großen Ähnlichkeit der Zeichen spricht auch eine geographische Nähe von den Germanen zu den norditalischen Völkern für eine Übernahme. Für den einleitenden Artikel siehe »Die norditalische These«. Im Folgenden werden die Runen einzeln hergeleitet, als Grundlage diente Arntz.

mehr lesen 0 Kommentare

Die norditalische These

Im Gegensatz zu der lateinischen und der griechischen These kommen bei der norditalischen These diverse Alphabete als Vorlage für die Runen in Betracht. Zahlreiche Funde in der Gegend um Norditalien belegen verschiedene Schriften, die sich ähneln, aber nicht identisch sind. Diese scheinen von der griechischen Schrift abzustammen und kommen ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. auf. Ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. werden sie allmählich von der lateinischen Schrift ersetzt, nachdem sie bereits zuvor mehr und mehr von lateinischen Buchstaben durchsetzt wurden.
Zu den Alphabeten zählen verschiedene Gruppen von Schriften und Sprachstufe, wobei nur eine davon etruskisch ist, die zweite keltisch, die letzte italisch. Aus diesem Grund ist die Bezeichnung „etruskisch” oder „nordetruskisch” eventuell irreführend — tatsächlich scheinen aber alle diese Schriften auf eine gemeinsame etruskische Wurzel zurückzulaufen.
Die Gruppen, in welche diese Schriften eingeteilt werden, sind jeweils nach einem Hauptfundort benannt, die Schrift selbst reicht geographisch darüber hinaus (Arntz, folgende Aufzählung übernommen aus dem RGA).

  1. Die venetische Sprache und Schrift (zur italischen Sprache gehörend), welche die Varianten von Este, Padua, Vicenza, Cadore, Gailtal und dem Isonzo-Gebiet beinhaltet.
  2. Die rätische Sprache und Schrift (zur etruskischen Sprache gehörend), die sich vor allem um das Etsch- und Eisack-Gebiet verteilt. Hierbei unterscheidet man außerdem die Typen von Magré, von Bozen und von Sondrio.
  3. Die lepontische Sprache und Schrift (zur keltischen Sprache gehörend), die sich um den Lago Maggiore und Lago di Como verbreitet.


Es ist relativ unwahrscheinlich, dass nur eine der Schriften als Vorlage für die Runen herhielt (sofern man die norditalische These überhaupt in Erwägung zieht). Vielmehr finden sich Übereinstimmungen in den verschiedensten Alphabeten, die sich allerdings allesamt auf Norditalien lokalisieren lassen.
Heute ist norditalische These nicht die favorisierte. Elmar Seebold schreibt dazu:

 

„Die Forschungsdiskussion war von Anfang an dadurch belastet, dass sich der Hauptvertreter dieser Hypothese, Marstrander, auf die Inschrift des Knochenpfriems von Maria Saal stützte, die wenig später als Fälschung erwiesen wurde.”
Seebold in: RGA 21, S. 312

 

mehr lesen 0 Kommentare

Herkunft der Runen

Die Herkunft der Runen ist nach wie vor nicht vollkommen geklärt und wird in der Forschung seit mindestens einem Jahrhundert und noch immer heiß diskutiert. Mittlerweile haben sich drei Theorien herausgebildet, die jedoch allesamt nicht über den Status einer These hinauswachsen konnten: Für jede der Theorien gibt Hinweise, die dafür sprechen, aber auch Lücken, die im schlimmsten Fall das gesamte Konstrukt in sich zusammenfallen lassen.

mehr lesen 0 Kommentare

Gunnlaugs saga ormstungu

Titel auf Deutsch:
Entstehung:
Genre:

Die Saga von Gunnlaug Schlangenzunge

1270-1280

Skaldensaga


mehr lesen 0 Kommentare

Die mythologische Herkunft der Runen

Die Schrift eines Volkes auf eine übernatürliche Herkunft zu beziehen, ist bei den Germanen kein Einzelfall: Auch Ägypter, Griechen und Chinesen verbreiteten Geschichten darüber, wie ein Gott die Schrift erfunden und geschaffen hätte. Bei den Germanen ist dieser Gott Odin.
In der germanischen Kultur ist dieser Gott Odin, hat im Gegensatz zu den drei genannten Kulturen die Runen allerdings nicht geschaffen. Sie existierten bereits, waren bereits da, während er sie lediglich durch ein Selbstopfer erfuhr und vollständig begriff. Dieser Mythos muss bei den Germanen weit verbreitet gewesen sein, denn wir finden Hinweise darauf nicht erst im berühmten Hávamál aus dem mittelalterlichen Island, sondern bereits auf einigen Runenfunden der älteren Periode.

mehr lesen 0 Kommentare

Die Sprache der Inschriften

Es ist schwierig, die Sprache der Inschriften zu beurteilen. Das liegt vor allem daran, dass wir von diesen Sprachen in dieser Epoche derart wenige Zeugnisse haben, dass die Grenzen zu den Nachbarsprachen mitunter fließend verlaufen. Häufig muss deshalb auf Begrifflichkeiten zurückgegriffen werden, die sehr allgemein sind (»germanisch«) und unter denen man sich mitunter nicht sehr viel vorstellen kann. Viele Problematiken rühren daher, dass kategorisiert werden soll, wo nur schwer kategorisiert werden kann, weshalb sprachliche Übergruppen gebildet werden müssen.

mehr lesen 0 Kommentare

Verbreitung der Runen

Runen finden sich im gesamtgermanischen Raum, wenn auch jeweils zu etwas unterschiedlichen Zeiten. Dabei kann ihre Reise – zumindest wenn es um das jüngere Futhark geht – teilweise an den Fahrten der Wikinger nachverfolgt werden. Dies gilt natürlich nur für die losen Gegenstände, die teilweise weit transportiert wurden, während die berühmte skandinavischen Steinsetzungen ortsgebunden waren.
Sowohl die hunnischen (altungarischen) als auch türkischen »Runen« haben mit den germanischen Runen nichts zu tun.

mehr lesen 0 Kommentare

Was ist hier auf Eichenstamm los?

Seit März ist auf der Seite nichts mehr erschienen, schon vorher war mein Engagement maximal als dürftig zu bezeichnen. Jetzt hatte ich endlich die Motivation, um zumindest insgeheim und offline wieder ein bisschen Vorarbeit zu leisten, doch vermutlich wird es bis zu meiner Rückkehr doch noch ein bisschen länger dauern.

Höchste Zeit, euch mal kurz auf den letzten Stand zu bringen und zumindest zu erklären, warum ich nun so lange inaktiv war (und voraussichtlich bleiben werde).

mehr lesen 9 Kommentare

Allgemeiner Überblick

Runeninschriften treten bereits im älteren Futhark in sehr unterschiedlichen Längen auf: Von Einwortinschriften (meist ein Name) bis hin zu längeren Steinritzungen wie etwa auf dem Stein von Eggja mit 192 Runen ist alles dabei. Während bei solchen langen Inschriften auf freistehenden Steinen die Bezeichnung „Mitteilung” noch durchaus zutreffen mag, ist es bei vielen anderen Funden durchaus fraglich, inwiefern sie „mitteilsamen” Charakter haben (vgl. Düwel, S. 11): Auch diese Beobachtung spricht durchaus für die im zweiten Artikel angesprochene These, dass es sich bei Runen um eine Kult-, nicht um eine Gebrauchsschrift handelt.
Bei einigen Inschriften muss man sich gar fragen, ob sie überhaupt für das Auge fremder Personen gedacht waren, insbesondere dann, wen man von Inschriften spricht, die sich auf der Unterseite von Grabsteinen befinden (wie man es etwa für die Grabplatte von Kylver vermutet) oder von Broschen, deren Inschriften und Widmungen stets auf der Rückseite angebracht sind. Düwel nennt als Grund hierfür allerdings ausdrücklich den Platzmangel auf der Vorderseite wegen der dort angebrachten Ornamentik. Inwiefern man bei solchen Funden also von magischen Schutzformeln oder profanen Widmungen ausgehen muss, kann nicht abschließend geklärt werden.

Machen wir allerdings einen Schritt zurück und betrachten, was Runen überhaupt sind.

mehr lesen 3 Kommentare

Artikel: Fehu

Die neue Unterseite zu Fehu wurde online geschaltet. Dort findest du Informationen zur sprachlichen Herkunft der Rune, zu möglichen Ableitungen der Zeichenformen, Interpretationen der Bedeutung sowie Runen, die mit Fehu in Verbindung stehen können.

 

 

mehr lesen 0 Kommentare

Vorgängerrunen und vorrunische Kultzeichen

Schon lange bevor die Germanen die Runenschrift entwickelten, sind für den nordgermanischen Raum Zeichen belegt, die gewisse Gemeinsamkeiten mit den Runen haben und sich teilweise in der Form ähneln. Diese Zeichen finden sich vor allem auf Felsplatten in Skandinavien wie in Südschweden und Südnorwegen, und entstammen der Bronzezeit, etwa von 2.000 bis 500 v. Chr. In Schweden sind sie unter dem Namen „hällristningar“, „Felsplattenritzungen“ bekannt. Ihr eigentlicher Charakter – magische Bilder, profane Zeichen oder „Zufallsfiguren“ (Krause) – ist allerdings nicht vollkommen erschlossen, auch wenn die Forschermeinung mittlerweile in eine Richtung tendiert.

mehr lesen 0 Kommentare

Runen als Kultschrift

Wie im letzten Artikel bereits erklärt, kann unter den Schrifttypen zwischen Kult- und Gebrauchsschrift unterschieden werden. Diese Frage ist keineswegs schmuckes Beiwerk und an sich unwichtig, sondern leitet vielmehr die gesamte Fragestellung nach der Bedeutung der Runen ein: Waren Runen magische Schriftzeichen, mit denen Schutzzauber und Flüche gewirkt werden konnten, oder sind sie als Schrift ebenso banal wie unser heutiges Alphabet, das lediglich dazu dient, Worte und Gedanken zeitlich zu fixieren und damit Erinnerung zu ermöglichen?

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die Runenschrift schon sehr früh sowohl für kultische als auch für profane Zwecke verwendet wurde und wir Beispielfunde für beide Seiten haben. Diese Interpretationen sind allerdings in keinem Fall vollkommen sicher, denn insbesondere Runeninschriften des Älteren Futharks zeichnen sich durch Kürze und Knappheit aus, häufig bestehen sie etwa nur aus einem Wort oder Namen, an den noch ein „machte” angehängt wird: „Naþijo machte” (Schildfessel 2, Illerup, Dänemark) – handelt es sich hierbei schlicht um das stolze Vermerken, das Schmuckstück hergestellt zu haben, oder liegt dem Aufschreiben des eigenen Namens eine magische Handlung zugrunde?

mehr lesen 0 Kommentare

Die Bedeutung einer Schrift

Schrift ermöglicht es, Gedanken und Gesagtes in einer Form festzuhalten, die die Zeit überdauert und vom „Sender” losgelöst an jedem erdenklichen Ort rezipiert werden kann. Für Menschen oder ein Volk, das vor allem mündlich geprägt war, muss diese Möglichkeit magisch gewirkt haben: zeitlich und örtlich Begrenztes wird unbegrenzt. Vielleicht ist das einer der Gründe dafür, warum in vielen Kulturen Götter als Urheber der Schrift gelten, wie etwa Odin in der nordischen Mythologie (wenngleich er die Schrift nicht erfunden, sondern lediglich empfangen hat).

Das Alter der Schrift allgemein kann nicht genau bestimmt werden und verschwimmt in nebulöser Vorzeit: Man weiß also nicht, wann die erste Schrift erfunden wurde. Von einigen Schriften lässt sich feststellen, dass sie entlehnt wurden, doch die Herkunft dieser entlehnten Schrift wiederum wird häufig ab einem gewissen Grad undeutlich und unterliegt Mutmaßungen. Dies gilt auch für die Schrift der germanischen Völker, für die Runen, bei denen von einer Entlehnung auszugehen ist.

mehr lesen 2 Kommentare

Runes. An Introduction

Kurzinfos

Autor: Ralph Warren Victor Elliott

 

Verlag: Manchester University Press / St. Martin’s Press

 

Veröffentlichung: 1989 (1959)


mehr lesen 0 Kommentare

Die Angst vor dem Opfer

Der Glaube an die Götter ist uns nicht von Klein auf eingebrannt. Er ist für uns keine Selbstverständlichkeit, er ist nicht gesichert und selbst wenn uns die Götter wieder und wieder Beweise liefern, so zweifeln wir doch jedes Mal erneut. Denn Beweise von der „anderen” Welt sind schwerlich Beweise, wie man sie in unserer materiellen Welt als solche annehmen würde.
Und so zweifeln wir und zweifeln wir. An manchen Tagen fragen wir uns sogar, ob es die Götter überhaupt gibt. Ob das nicht alles ein großes Hirngespinst ist, eine Hoffnung, die wir nicht loslassen, um nicht alleine dazustehen. Wie sagen die Atheisten doch gleich? Man glaubt, weil man die Vorstellung fürchtet, dass da doch nichts ist. Dass uns die Leere und Sinnlosigkeit verschlingt.

mehr lesen 2 Kommentare

Löwe von Piräus

mehr lesen 0 Kommentare