Alte Sitte und Asentreue




Inhaltliche Ungenauigkeiten ...

... finden sich leider noch in allen Artikeln, die Saxo Grammaticus und seine Gesta Danorum als Quelle verwenden. Weder ist es mir bisher gelungen, mir selbst ein genügendes Exemplar zu beschaffen noch sind die Seiten, die man im Internet dazu findet, zufriedenstellend. Größte Problematik dabei ist, dass die Angaben in der Sekundärliteratur nicht zu den Angaben im angeblichen lateinischen Originaltext aus dem Netz passen und ich nicht herausfinden konnte, bei wem der Fehler liegt. Aus diesem Grund gebe ich in den Artikeln ausschließlich die Angaben der Sekundärliteratur wieder ohne jedoch den Wortlaut der Gesta Danorum zu zitieren.

Gerade in Arbeit ...

... einige Artikel zur Alten Sitte in der heutigen Zeit (die dafür vorgesehene Seite ist schon online),

... ein Artikel sowie die Zusammentragung der Quellen über Váli,

... ein Artikel sowie die Zusammentragung der Quellen über Rind,

... der letzte Skaldikartikel zum Thema Nið und Neidingswerk

... ein Artikel zum Schamanismus in der nordischen Kultur

... ein Artikel zum Thema Brakteaten

... eine umfassende Aufarbeitung des Themas "Runen". Der Aufwand ist gewaltig, noch stecke ich in der Lektüre. Die ersten Artikel kommen voraussichtlich im Sommer/Herbst.

... und - unübersehbar die ganze Webseite. Ich hoffe, das geht schnell über die Bühne, insbesondere kleinere gestalterische Fehler werden aber vermutlich hartnäckig auszumerzen sein. Besondere Baustellen sind die umfassenderen Seiten wie "Runen" oder "Edden", es kann auch sein, dass die eine oder andere Seite kurzzeitig abgeschaltet wird - also nicht erschrecken, wenn eine Seite plötzlich verschwunden ist.

Neu dagegen ...

... eine neue Unterseite „Philologie”: Ziel ist es, die Arbeit verständlich zu machen, die hinter sämtlichen Schritten der Forschungen stehen, um Edden, Sagas oder andere Texte aus dem Mittelalter für uns lesbar zu machen.

... die schon oben erwähnte Unterseite „Alte Sitte”; die Artikel werden innerhalb der nächsten Wochen freigeschaltet.

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Kritik der Wissenschaft

Die besondere Herausforderung des modernen Asenglaubens ist die gebrochene Tradition und die unvollständige Überlieferung. Das dies gute tausend Jahre zurückliegt, macht die Situation zusätzlich schwierig. Aus diesem Grund wird in der Wissenschaft häufig die Haltung vertreten, ein moderner Asenglaube sei nicht möglich, die Anhänger gar nur „Ewiggestrige” oder „Unterpriviligierte”, die in dem Glauben „ein Sinnangebot” sehen „oder, besser gesagt, den Traum an eine heile, andere Welt, den ihnen das Christentum oder andere zeitgenössische Ideologien nicht mehr geben zu können scheinen” (Simek). Vielmehr als ein Glaube wird die moderne Asentreue also als Ideologie betrachtet, welche häufig gar in Extreme abdriftet.
In der öffentlichen Meinung betrifft das vor allem rechte Kreise: Nicht nur, dass dem „germanischen Heidentum” noch heute ein schlechter Ruf anhaftet, aufgrund der Beschäftigung des Dritten Reiches mit dem „Germanenerbe” sowie der Verwendung von Runen und Swastika. Tatsächlich haben sich auch noch Jahrzehnte danach angeblich „heidnische” Gruppierungen nebst Wiederbelebung des Glaubens vor allem mit rechtem Gedankengut befasst.
Weniger bekannt ist, dass heutige Asengläubige davon vielfach explizit Abstand nehmen, ja im Gegenteil eine linksgerichtete bis linksextreme Haltung in Ásatrú-Reihen zu beobachten ist. Noch heute befassen sich die Anhänger unverhältnismäßig viel mit politischen Ideen, seien es linke als auch rechte, wobei keine von beiden Seiten einer tatsächlich authentischen Glaubensausübung nahekommen kann, da die Alte Sitte wie jeder andere Glaube fernab von politischen Gesinnungen verstanden werden muss — zumal seine Wurzel in einer Zeit liegt, in der politische Parteien noch lange kein Thema waren.

Entgegen der wissenschaftlichen Meinung, die Alte Sitte sei aufgrund ihrer gebrochenen Tradition als authentisches Glaubenssystem nicht zu gebrauchen, finden sich heute immer mehr Menschen, die ihre Treue den alten Göttern weihen. Dies wird nicht darum unglaubhaft, weil die Wissenschaft die Alte Sitte lediglich als Forschungsobjekt oder epochalen Kult der Geschichte anerkennt.
Glaubt man an die tatsächliche Existenz von etwas Göttlichem, steht die Alte Sitte anderen Kulten, etwa monotheistischen wie dem Christentum und Islam, an Glaubwürdigkeit in nichts nach. Wird eine überirdische Macht generell verneint, so müssen diese Religionen wie auch die Alte Sitte als „Ideologie” abgetan werden. Lässt man den Glauben anderer Religionen jedoch zu, muss dies auch für die Asentreue gelten: Die alten Götter werden nicht darum inexistent, weil ihr Kult gebrochen wurde. Wie vor tausend Jahren an sie geglaubt werden konnte, so ist dies auch heute noch möglich. Unter diesem Aspekt lade ich jeden Wissenschaftler dazu ein, die alten Götter nicht als „Figuren” oder lediglich „Forschungsobjekt” zu betrachten, sondern den Spieß umzudrehen: Die Disziplin der Altnordistik als Forschung, die sich mit einer Tradition befasst, die tatsächlich einmal lebendig war und wieder sein kann (ähnlich wie es die Theologie für das Christentum ist). Das Göttliche an sich kann nicht inaktuell werden und aus diesem Grund ist eine moderne Asentreue nicht weniger denkbar als ein modernes Christentum, im Gegenteil.

Häufig spricht die Wissenschaft den großen Mangel an Wissen an, der sie im Bereich der Altnordistik beschäftigt. Zwar haben wir einige Quellen zu Göttern und Kultausübung, die Überlieferung kann aber bei Weitem nicht als vollständig betrachtet werden.
Jedoch ist auch hier der Zugang zu rational und zu wenig spirituell motiviert. Ein Glaube lebt vor allem von dem persönlichen Kontakt zwischen Gläubigem/Glaubensgruppe und Gottheit, den sogenannten mystischen Erfahrungen. Als Wissenschaftler mag man diese infrage stellen bzw. auf neurochemische Prozesse schieben, als Gläubiger bezieht man sie auf Erfahrungen, die zwar nicht messbar, aber dennoch sehr real sind. Ebenso wie ein Christ zu seinem Gott betet und Antworten zu erhalten meint, so kann ein Anhänger der Firnen Sitte solche Begegnungen haben.
Trotz des Alters der Tradition und trotz des Bruchs, der uns eine Lücke von vielen Jahren bescherte, berichten Asentreue oft von spirituellen Erfahrungen und Begegnungen mit den alten Göttern. Für solche Erlebnisse ist eine vollständige Überlieferung aus alter Zeit nicht vonnöten, wenngleich allein Spiritualität noch kein komplettes Glaubenssystem ausmacht. Um die Alte Sitte wieder aufleben lassen zu können, brauchen wir beides: Spiritualität und historische Krücken dafür, was einmal geglaubt und bei Ritualen gemacht wurde. Es ist eine schwierige Aufgabe, die wir uns gestellt haben, aber sie ist nicht unmöglich.

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Wikingerschatz auf Rügen gefunden

Im Januar 2018 fanden die dreizehnjährigen Luca Malaschnitschenko und René Schön einen Wikingerschatz auf einem Acker auf Rügen, jetzt wurde der Fund publik gemacht. Es handelt sich um einen Silberfund von etwa 600 Münzen, Armreifen und — einem Thorshammer. Man vermutet Harald Blauzahn, oder zumindest einem seiner Begleiter, der im Jahr 986 vor Sven Gabelbart floh, als Eigentümer des Schatzes. Dabei hat er wohl den Schatz mitgenommen und vergraben. Die verantwortlichen Archäologen sind mit solcherlei Schätzungen aber noch vorsichtig.
Unter den Münzen finden sich Stücke aus weiten Teilen der Welt, so etwa auch einen arabischen Dirhem aus dem Anfang des 8. Jahrhunderts. Der Großteil besteht aus Kreuzbrakteaten, also einseitig geprägten Silbermünzen, auf die ein Kreuz geprägt wurde. Harald Blauzahn wurde als Anhänger der alten Götter geboren, konvertierte aber im Laufe seines Lebens zum Christentum. Als Zeit des religiösen Umbruchs gilt das 10. Jahrhundert auch ganz allgemein: Das Christentum gewann an Land, während der nordische Kult immer weiter zurückgedrängt wurde.
Der Schatz gilt als der größte Fund von Blauzahn-Münzen im südlichen Ostseeraum.

 

Artikel von t-online.

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Wie kommen wir zur verlorenen Spiritualität?

Nachdem wir uns die Grundlagen angeeignet haben, nachdem wir uns in die zugänglichen Primärquellen eingelesen und die Sekundärquellen kritisch untersucht haben — was geschieht nun? Wie soll man trockene, realitätsbesessene Fakten in Spiritualität übersetzen? Und ist es überhaupt notwendig? Muss ich wissen, wie ein Alemanne bestattet wurde, wenn Grabbeigaben und Hügelgräber für mich ohnehin nicht zelebrierbar sind? Kann ich als Asentreuer des 21. Jahrhunderts wirklich mit der Idee, Thor würde Gewitter beschwören, etwas anfangen?

Zuerst einmal: Die Quellen und Fakten sagen uns nicht, was zwischen Menschen und Göttern auf spiritueller Ebene stattgefunden hat. Schon gar nicht sagen sie uns, wie die Götter auf die Menschen einwirkten. Was wir aber daraus beobachten können, ist der menschliche Versuch, den Blick der Götter auf sich zu lenken.
Wir wissen von Opferriten und Ritualen, wir wissen von Bestattungen und Hochzeiten, wir wissen von Magieausübung und dem Glauben an übersinnliche Kräfte. Nun ist es unsere Aufgabe, diese Fakten mit Leben zu füllen. Ein Ritual besteht nicht nur aus dem dargebotenen Opfer, sondern aus dem, was sich spirituell abspielt.

Ich kann hierfür keine Anleitung geben, denn dies ist der schwierigste Schritt, um unseren Glauben wiedererwachen zu lassen, und in meinen Augen auch derjenige, der am häufigsten unterschätzt wird. Und genauso glaube ich, dass niemand dafür jemals eine Anleitung geben kann, die online verfügbar ist, und die das abdeckt, was ein Ritual abdecken sollte. Rituale können vielleicht nacherzählt oder von Angesicht zu Angesicht weitergegeben werden, sie können miterlebt und in die eigene Blótgruppe importiert werden — aber ich halte es für den falschen Weg, von einem anonymen Gesichtspunkt zu einem anderen etwas so Höchstpersönliches und Delikates weiterzugeben.
Aus genau demselben Grund verurteile ich es auch, dass Rituale fremder Kulturen in der Vergangenheit übernommen und geringfügig angepasst wurden (christliche Rituale, die wir aufgrund unserer Erziehung für normal und selbstverständlich befinden und „heidnisiert” wurden; Rituale anderer „ursprünglicher” Kulturen, denen wir aufgrund ihrer archaischen Lebensweise eine Nähe zu den früheren Germanen unterstellen, weil alles Alte irgendwie gleich sein muss). Diese Art der Rituale hat sich mittlerweile in den Reihen der deutschen Asentreuen durchgesetzt, und mögen sie einmal für den einzelnen etwas Besinnliches und Einkehrendes gehabt haben, so sind sie mittlerweile durch die Öffentlichkeit und Omnipräsenz ausgewaschen und werden — völlig zurecht — von einem großen Teil der Asengläubigen belächelt.

Wir haben alle Puzzleteile, um unseren Kult neu auferstehen zu lassen. Wir kennen eine große Zahl der göttlichen Ansprechpartner, wir kennen die Mythen, die sie umgeben und wir kennen das profane Äußere, das die Rituale umgibt. Spiritualität, Übersinnliches und die Fähigkeit, das Transzendentale wahrzunehmen aber liegt in jedem Menschen, der glauben möchte. Wir müssen nur unsere persönliche Quelle anzapfen.

Ich bin selbst noch auf der Suche nach meinem Zugang zu funktionierenden Ritualen und beschäftige mich daher mit Quellen unterschiedlichster Machart. Aber noch bin von einer stabilen und zufriedenstellenden Grundlage weit entfernt. Erkenntnisse, Ideen und Meinungen werde ich hier auf jeden Fall darzustellen versuchen. Vielleicht, hoffentlich kommt am Ende ja doch ein Ergebnis heraus, das weiterhilft.

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