Runen


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Die Runeninschriften von Monte Sant'Angelo

Die Gemeinde Monte Sant'Angelo befindet sich im Süden Italiens im Gargano (Apulien), weitab von großen Städten und noch heute nur durch schmale, kurvige Straßen erschlossen, die sich kilometerweit durch den Wald Foresta Umbra winden. Dennoch ist sie ein interessanter Ort für Runeninteressierte - auch wenn das der christliche Name kaum vermuten lässt. Die gesamte Gemeinde ist nämlich dem Erzengel Michael geweiht.

Neben einem großen normannischen Burgkomplex, dessen Baubeginn in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts zurückreicht, zieht vor allem das Sanktuarium von San Michele viele Besucher und Pilger an. Es ist berühmt für seine Krypta, die in eine Grotte integriert wurde, und zählt seit 2011 zum Unesco Weltkulturerbe. Es wurde etwa um 490 errichtet und entstammt langobardischer Hand. Der Legende zufolge begann man mit dem Bau, als in diesem Jahr der Erzengel Michael in den Gargano herabstieg. Die Langobarden, die in dem Heiligen mit seinen kriegerischen Attributen ihren ehemaligen Gott Odin wiedererkannten, hegten von Anfang an besondere Sympathien für Michael und machten das Sanktuarium zu dem nationalen Sanktuarium der Langobarden.

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Das altnorwegische Runengedicht: Rezeption

Wie das angelsächsische Runengedicht ging auch das altnorwegische Runengedicht vollständig verloren. Aus diesen Grund erweist sich die Forschung daran als schwierig. Árni Magnússon und Ole Worm berichten beide, dass das Gedicht aus einem Gesetzeskodex stammt. Dieser ging bei einem Brand in Kopenhagen 1728 zugrunde, über seinen Inhalt ist generell wenig bekannt.

Heute sind uns nur zwei Abschriften vom Ende des 17. Jahrhunderts sowie ein Abdruck von 1636 erhalten. Erstere gehen auf Árni Magnússon (E Don. Var. 1-2° Barth. D) und Jón Eggertsson (Papp. Folio Nr. 64x) zurück, der Druck dagegen auf Ole Worm. Die beiden Abschriften stimmen größtenteils miteinander überein, der Druck dagegen weicht in einigen Elementen ab. Man geht jedoch davon aus, dass Ole Worm dasselbe Manuskript vorlag. Ole Worm war des Altnorwegischen nicht allzu kundig, weshalb sich bei ihm einige Fehler eingeschlichen haben. Trotzdem beziehen sich die meisten späteren Abschriften des Gedichts auf Worm, da seine Fassung vermutlich leichter zugänglich als die Magnússons und Eggertssons war.

Die Runennamen sind einzig bei Worm zu finden, es ist jedoch nicht klar, ob er diese aus dem Originaltext zog, da er dies nicht explizit erwähnt. Aus diesem Grund mussten die Runennamen über andere Runica Manuscripta erschlossen und geprüft werden (tatsächlich ist Worms Fassung auch beim Thema Runennamen nicht ganz korrekt).

Grundsätzlich muss bei der Fassung von Worm und einigen seiner späteren Kopisten beachtet werden, dass sie den Text nicht nur abschrieben, sondern zeitgleich interpretierten und - bei mangelndem Verständnis - selbst einen Sinn einzufügen suchten, während Eggertsson und Magnússon lediglich die Verse wiedergeben wollten.

 

Die Strophen des Runengedichts bestehen aus zwei Langzeilen pro Rune, die sowohl durch Stäbe als auch Endreim verbunden sind. Auffallend ist, dass der Abvers jeweils mit dem Anvers wenig zu tun zu haben scheint und daher eine Deutung schwer fällt. Wilhelm Grimm schreibt in seinem Ueber deutsche Runen (1821): "Die zweite Zeile ist jedes Mal bloß des Reims wegen zugesetzt und steht ihrem Inhalt nach mit der ersten in keiner weiteren Verbindung." Diesem Ansatz folgte die Forschung lange Zeit, bis Clunies Ross 1990 einen ersten Zusammenhang zwischen An- und Abvers in der f-Strophe nachweist. Seither werden weitere Verbindungen gesucht und in der Forschung diskutiert.

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Das angelsächsische Runengedicht: Rezeption

George Hickes
George Hickes

Die Rezeption des angelsächsischen Runengedicht erweist sich aufgrund des Verlustes des Originals als schwierig. Das Gedicht war in der Handschrift Cotton Otho B X fol überliefert, auf dem Blatt 165 verso. Bei einem Brand im Ashburnham-House in London am 23. Oktober 1731 wurde das Manuskript stark beschädigt, heute sind nur noch etwa 50 Seiten erhalten. Das Runengedicht ist nicht darunter.

 

Aus diesem Grund muss sich die Forschung auf die Abschrift von George Hickes aus dem Jahr 1705 verlassen. Diese findet sich in seinem Werk Linguarum Veterum Septentrionalium Thesaurus Grammatico-Criticus et Archæologicus in Band 1 auf Seite 135.  Es ist ungeklärt, wie präzise Hickes gearbeitet hat.

 

In der originalen Handschrift waren größtenteils Texte über Heilige bzw. mit stark christlichem Kontext gesammelt, direkt vor dem Runengedicht befand sich der Text Pænitentiale Saxonicum. Aufgrund zweier Kataloge aus der Zeit vor der Beschädigung des Manuskriptes, die sich hinsichtlich der Beschreibung des Runengedichtes unterscheiden, ist davon auszugehen, dass das Gedicht nicht von Anfang an in die Handschrift integriert war, sondern erst nachträglich anstelle einer anderen Seite eingefügt wurde. Einer dieser Kataloge, der Catalogus librorum manuscriptorum bibliothecæ Cottoniancæ von Smith, spricht etwa von zehn Runen: "Ausländische Buchstaben, zehn an der Zahl. Manche davon scheinen Runen ähnlich zu sein."

Auf Hickes Abschrift des Gedichts finden sich aber mehr Runen, 29 mit Versen umschrieben, 2 weitere ohne Verse. Am Ende des Textes befindet sich eine Reihe von 9 Runen mit dem lateinischen Zusatz: "Hos characteres [neun Runen eingefügt] ad alia sestinans studioso lectori interpretanda relinquo." Übersetzt: "Ich selbst, der zu anderem übergehen möchte, überlasse dem eifrigen Leser diese Zeichen o, l d, w, n, x, f, o, g um sie zu deuten." Man hält dies für eine Federprobe, da die Runen keinen sinnvollen Text ergeben.

Es steht jedenfalls zur Diskussion, ob Smith in seinem Katalog diese Runen meint und sich von neun auf zehn Runen verzählt hat.

 

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Kaunan: Bedeutung in Wissenschaft und Esoterik

Die Rune Kaunan oder Kenaz gehört zu jenen Runen des älteren und jüngeren Futharks, deren Bedeutung nicht vollständig geklärt ist. In sämtlichen skandinavischen Runengedichten wird sie als kaun belegt und mit Krankheiten, die Kinder schaden, beschrieben. Tatsächlich heißt das altnordische Wort kaun so viel wie Beule oder Geschwulst. Einzig im angelsächsischen Runengedicht wird die Form cen überliefert, die Kienspan oder Fackel bedeutet. Der Germanist von Grienberger und der Mediävist Marstrander stellten die These auf, dass cen von *cean stammt, welches auf kaun zurückgehe. Die neue Bedeutung von *cean/cen hätte sich erst nachträglich etabliert.

 

Wir können also festhalten, dass sehr vieles für die Bedeutung kaun = Geschwür spricht, während cen = Fackel in nur einer einzigen Quelle überliefert wird - wobei es auch hier eine Vermutung gibt, wie die angelsächsische Bedeutung sich durch die skandinavische Urbedeutung geformt hat.

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