Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen

Kurzinfos

Autor: Karl Simrock (Hrsg. von Manfred Stange)

 

Verlag: Bechermünz

 

Veröffentlichung (Original): 1995 (1851)


Aufmachung

Sprache

Quellentreue


Simrock ist der wohl meist zitierte Übersetzer der Lieder-Edda. Persönlich konnte ich die Zufriedenheit meiner Mitmenschen für ihn nie teilen — das als ein Grund für die niedrige Bewertung. Insbesondere im Vergleich zu Genzmer wirken Simrocks Verse holprig und unmelodisch. Zudem übertrifft seine Quellentreue Genzmer nicht, auch an dieser Stelle musste ich Punkte abziehen: Wie Genzmer schiebt er Strophen scheinbar wahllos hin und her, um einen vermeintlich logischeren Aufbau zu bekommen, weicht dabei aber gründlich vom Original ab.
In dieser Fassung ist auch die Aufmachung des Texts alles andere als liebevoll. Nur wenige Illustrationen, und diese schwarz-weiß, lockern die Seiten für das Auge auf. Selbst das Cover ist nicht allzu vielversprechend.

Zurück zur Quellentreue muss man diese nicht nur bei Simrock selbst kritisieren, sondern auch bei Manfred Stange, dem Herausgeber. Fußnoten sind durchaus vermerkt, konnten von mir aber auch nach gründlichem Suchen nicht gefunden werden, sodass ich ihren Inhalt nicht beurteilen kann. Insgesamt ist die Ausgabe unübersichtlich und chaotisch.
Noch konfuser wird das Ganze durch durch einen eigentlich guten und praktischen Gedanken, dem dieses Buch den zweiten Stern zu verdanken hat: Neben der Lieder-Edda findet sich auch die Snorra-Edda zwischen den Klappdeckeln. Alles andere als praktisch ist allerdings auch hier die Gestaltung. Weder wird ausreichend kenntlich gemacht, wo die eine Edda aufhört und die andere beginnt (die Trennung zwischen den beiden erfolgt auf dieselbe Weise, auf die Götter- von Heldenliedern innerhalb der Lieder-Edda separiert werden), noch wird der Unterschied ganz allgemein hervorgehoben, sodass für einen unbedarften Leser kaum zu erkennen sein dürfte, dass es sich hierbei um zwei völlig unterschiedliche Schriftstücke handelt.
In der Snorra-Edda fehlen fundamentale Textteile, nämlich die großen Ansammlungen von Kenningar und Heiti beziehungsweise sämtliche der von Snorri zitierten Skaldenstrophen, sodass bestenfalls ein Fragment übrig bleibt. Überschriften gaukeln eine Struktur vor, die ebenfalls weit vom Original entfernt ist.
Erst auf den letzten Seiten finden sich erklärende Texte zu beiden Eddas. Aufgrund der unvorteilhaften Stellung am Ende des Buches fallen sie allerdings kaum auf und erfüllen daher wohl nur selten ihren Zweck.

Als Erstlektüre ist dieses Buch daher unter keinen Umständen zu empfehlen. Weder ist die Übersetzung (in meinen Augen) sprachlich und metrisch besonders gelungen, noch zeichnet sie ein klares Bild der Quellenlage. Stattdessen überwiegen Verwirrung und Chaos. Auch für Forschernaturen ist dieses Buch daher ungeeignet. Die einzig positive Seite ist die Anwesenheit sowohl von Lieder-Edda als auch Snorra-Edda, sodass das Buch beispielsweise auf Reisen zum schnellen Nachschlagen geeignet sein kann. Tatsächlich war es mir wegen des vollkommen unübersichtlichen Aufbaus und des Fehlens wichtiger Teile aber bisher keine Hilfe.

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