Nordische Mythologie

Kurzinfos

Autor: Paul Herrmann

 

Verlag: Anaconda

 

Veröffentlichung: 2011


Gestaltung

Informationen

Quellentreue


Paul Herrmann lebte von 1866 bis 1930 — dementsprechend ist dieses Werk nicht auf dem neuesten Stand der Forschung. Der Schreibstil entspricht dem des letzten Jahrhunderts, ebenso die Vorstellung der Fakten und die Ungenauigkeit, die man manchmal findet.
Das Buch ist definitiv keine Lektüre für Neulinge der Thematik. Herrmann setzt Wissen voraus und weniger scheint er Begriffe und Vorstellungen zu erklären als sie vielmehr für einen Wissenden zu wiederholen und teilweise philosophisch auszubauen. Ohne Vorkenntnisse dürfte es äußerst schwierig sein, diesen Gedankengängen zu folgen und bestimmte hergestellte Beziehungen zu verstehen.
Wie typisch für diese Art von Büchern über Mythologie befasst sich der Großteil des Werkes mit den einzelnen Göttern, ihrer vermutlichen Verehrung, den Mythen, die wir über sie kennen, und Parallelen zu beispielsweise Naturereignissen. Weitere Kapitel befassen sich mit anderen mythologischen Figuren wie etwa Naturgeistern, Nornen, Walküren und Disen sowie mit Zwergen und Riesen. Sehr interessant sind außerdem die Abschnitte über Vorstellungen der germanischen Völker allgemein, Totenwelten, Aufbau der Welt oder Themen, die in anderen Büchern selten Erwähnung finden wie etwa die Zeitmessungen. Allerdings verweist Herrmann nur selten auf Quellen, sodass unklar ist, welche Gedanken vom Autor selbst stammen und welche wissenschaftlich belegt werden können.
Einen Minuspunkt bekommt das Buch, weil es Texte aus der Lieder-Edda und der Snorra-Edda teilweise wortgetreu wiedergibt ohne diese zu nennen. Das betrifft nicht nur einzelne Sätze, sondern mitunter ganze Abschnitte.
Obwohl die Lektüre recht langatmig sein kann und die Sprache schwer verständlich ist, finden sich immer wieder einzelne Perlen, die zum Nachdenken anregen und neue Sichtweisen fördern. Gerade für Leute, die sich schon länger mit der nordischen Mythologie auseinander setzen, kann das einen erfrischenden Wind in eigene Interpretationsweisen einbringen. Wie gesagt ist dafür aber erst einmal ein stabiles Fundament an Grundwissen erforderlich.
Alles in allem kann ich dieses Buch also wärmstens empfehlen — wenn auch nicht als Erstlektüre.

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