Die Welt der Wikinger - Arnulf Krause

Kurzinfos

Autor: Arnulf Krause

 

Verlag: Nikol

 

Veröffentlichung: 2006


Gestaltung

Informationen

Quellentreue


Wenn man Arnulf Krause kennt, so enttäuscht auch dieses Buch nicht die Erwartungen. Im bekannt lebendigen Stil berichtet er in seinem Werk umfassend über die Wikinger, ihre Lebensart, ihre Herkunft und die Rezeption in der jüngeren Geschichte und Gegenwart.

Sprachlich ist dem Buch sehr einfach zu folgen. Untypisch für das Genre von Sachbüchern und den Bildungsgrad des Autors ist der Stil einfach, aber nicht banal, verständlich und fesselnd. Die zusätzliche Unterteilung in sehr kurze Unterkapitel von durchschnittlich zwei Seiten motiviert nicht nur das Lesen, sondern erfasst auch übersichtliche Sinnabschnitte. Neben vereinzelten Abbildungen finden sich auch immer wieder Exkurse von erfrischender Kürze und dennoch gehaltvollem Inhalt.
In der Mitte des Buches finden sich acht farbig bedruckte Seiten mit Abbildungen von Kleidung, Funden oder Runensteinen, auch eine Karte mit den Raubzügen der Wikinger ist dabei.

Inhaltlich lässt deckt der Autor alle Themen ab. Häufig zitiert er mittelalterliche Texte, um Geschichten nachzuerzählen, mitunter schreibt er sogar selbst so lebendig, dass ich ein ums andere Mal nach einem Verweis auf den zitierten Text suchte. In jedem Fall wirken die Anekdoten auf diese Weise sehr lebendig, als wäre Krause selbst dabei gewesen.
Auch die Aufteilung der Kapitel ist logisch gewählt und vollzieht sich größtenteils geographisch. Dadurch werden bereits besprochene Jahre immer wieder aufgegriffen und so bestimmte Persönlichkeiten im Gedächtnis des Lesers eingebrannt, ohne dass jedoch regelrechte Wiederholungen zu finden wären. Hier kommt leider auch mein größter Kritikpunkt: Man verliert als Leser schnell den Überblick über den Zeitstrahl, da häufig nur mit ungefähren Angaben gearbeitet wird („einige Jahre später”, „kurz vor seinem Tod”, „zwei Jahre nach der Schlacht” etc.). Dafür gibt es am Ende des Buches eine ausführliche Zeittafel, die während des Lesens aber etwas zu unhandlich wäre.

Ein zweiter kleiner Kritikpunkt bezieht sich auf die Vollständigkeit des Werkes. Obwohl Krause sicherlich einen hervorragenden Überblick über die Thematik gibt und auch nicht vor kleinen Geschichten zurückscheut, die er im Detail erzählt, wirkt es doch im Großen und Ganzen so, als lasse er viele wichtige Themen weg beziehungsweise als stelle er sie nicht in ihrer Gesamtheit dar. Inwiefern dies nur ein Eindruck ist oder die Vermutung auch den Tatsachen entspricht, kann ich nicht garantieren - auffallend bestätigt hat sie sich für mich einzig bei der nicht-Nennung von Árni Magnússon im letzten Kapitel der Rezeption, der bei der Sammlung der isländischen Manuskripte eine fundamentale Rolle gespielt hat.

Im Großen und Ganzen ist dieses Buch aber auf jeden Fall zu empfehlen - sei es für Einsteiger der Materie, sei es für Fortgeschrittene zur nochmaligen Übersicht.

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Kommentare: 2
  • #1

    Nachtsegler (Montag, 17 Dezember 2018 15:46)

    Waren denn die Nordmänner in ihrem Verständnis denn ein Kollektiv? Und wenn ja: war der Rahmen die Herkunft (welche?) oder ein gemeinsames Brauchtum (man opfert den selben Göttern)? Ich denke, dass es sich mit diesem begriff ähnlich verhält wie mit "England": das kam wesentlich später und war Ergebnis einer Suche nach einer Beschreibung. So wie es bei den Kelten ja auch der Fall war/ist.

  • #2

    Eichenstamm (Mittwoch, 19 Dezember 2018 13:15)

    Ich denke, von einem Kollektiv kann man zu dieser Zeit bei so großen geographischen Distanzen nicht sprechen. Sicherlich gab es soziale Verbindungen und politische Bündnisse, aber die sind die Nordmänner ja auch mit anderen Völkern außerhalb Skandinaviens eingegangen.

    Was man m.E. durchaus sagen kann, ist, dass es zahlreiche kulturelle Übereinstimmungen gab, die teilweise bis auf das Festland bzw. an den Alpenkamm reichten. Wie tief diese Ähnlichkeiten greifen, sind dann natürlich individuell. Aber hier stellt sich vielleicht eher eine Definitionsfrage: Wo beginnt ein Kollektiv? Wenn die Götter denselben Namen tragen? Wenn sie auf dieselbe Art und Weise verehrt werden? Oder wenn sie nur ähnliche Grundzüge besitzen?

    Von kollektiven Namen wie Nordmänner, Germanen oder Kelten müssen wir uns sicherlich insofern verabschieden, dass diese zu dieser Zeit nicht gebräuchlich waren (zumindest nicht von dem Volk, um sich selbst zu beschreiben). Man dachte da sicherlich noch in kleineren Maßeinheiten wie etwa in Stämmen.