Gastartikelreihe: Die Rückkehr der Stämme

Eine Rückkehr der Ásatrú scheint auch Jahre nach der Gründung einer Vielzahl von Gruppierungen nicht gelungen: Die Bemühungen von Eldaring, Verein für Germanisches Heidentum und Co können im besten Falle halbherzig genannt werden.

Es krankt an einer Beschäftigung mit der Thematik, die über Quellenkritik und Geschichtsinteresse hinausgeht, es mangelt an interdisziplinären Versuchen, die Alte Sitte aufzuarbeiten: Nicht nur in alten Manuskripten, Runeninschriften und archäologischen Funden müssen wir unseren Kult wiederentdecken, sondern insbesondere im Menschen selbst. Soziologische und anthropologische Untersuchungen fehlen aber bis heute auf diesem Gebiet nahezu vollständig.

 

Askatasuna ist ein langjähriger Freund von mir; derjenige, mit dem ich am meisten gemein habe und von dem mich am meisten scheidet, der ewige Widersacher in Gesprächen und der Teufel, der meine Weltsicht wie kein anderer hinterfragt hat. Er hat sich bereit erklärt, seine Sicht der Dinge – die sozialwissenschaftliche – darzustellen. Nicht in allen Punkten stimmen wir überein, aber seine Analyse ist scharfsinnig und äußerst treffend. Sie untergräbt das „moderne Heidentum“ und fällt ein vernichtendes Urteil.

 

Der Text, für Eichenstamm leicht angepasst, ist komplex und schwierig – denn die Themen sind komplex und schwierig. Der Versuch einer umfassenderen Vereinfachung wurde rasch aufgegeben, der Inhalt hätte darunter gelitten. Insbesondere der erste Teil ist kompliziert, viele Grundlagen werden in wenige Zeilen gepresst. Aber sie sind notwendig, um die weiteren Gedankengänge nachzuvollziehen. Und: Es sind keine philosophischen Betrachtungen, die man sich interessehalber zu Gemüte führen möchte. Es sind Analysen und Zukunftsperspektiven, die jeden Asentreuen betreffen.

 

Aufgrund der Länge der insgesamt drei Artikel habe ich sie jeweils in der Mitte aufgetrennt und so in 6 kleinere Artikel aufgeteilt. Dadurch hoffe ich die Lesbarkeit zu erhöhen und der kurzen Konzentrationsspanne, die unsere Gesellschaft leider mitbringt (mich eingeschlossen), so etwas entgegen zu kommen.

Der erste Teil wird nächste Woche veröffentlicht.

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Kommentare: 2
  • #1

    ING (Freitag, 31 August 2018 08:28)

    Vielen Dank für die Einleitung und Askatasunas Vorwort, das klingt schon äußerst interessant. Ich bin schon sehr gespannt, wie's weitergeht. Ich habe vorweg nur schon mal eine Frage: Du schreibst hier im ersten Absatz "Soziologische und anthropologische Untersuchungen fehlen aber bis heute auf diesem Gebiet nahezu vollständig". Was meinst du damit genau? Bezogen auf das Feld des heutigen germanischen Heidentums? Denn da gäbe es ja durchaus einiges, wie zB von Rene Gründer "Blótgemeinschaften: eine Religionsethnografie des germanischen [...]" und "Germanisches (Neu-)Heidentum in Deutschland: Entstehung,[...]". So ab 2005 gibt es einige ernst zu nehmende (meint ergebnisoffene, also nicht politisch tendenziös wie S.v.Schnurbein) Forschungen, die sich dem germanischen Heidentum ab 1970 widmen. Insbesondere Gründers Werk 'Blótgemeinschaften' sei positiv hervorzuheben.

  • #2

    Eichenstamm (Montag, 03 September 2018 19:13)

    Hey ING, entschuldige die späte Antwort.

    Den von dir zitierten Text kenne ich tatsächlich nicht, werde aber auf jeden Fall nun danach recherchieren. Bei einer ersten Lektüre einer Zusammenfassung bzw. Rezension scheint der Text allerdings nicht das zu sein, was ich konkret meinte (mit "Untersuchungen" habe ich mich nicht besonders geschickt ausgedrückt).
    Es ging mir weniger um die Analyse derzeitiger Gruppen als Ziel (sondern maximal als Grundlage), sondern um die _Anwendung_ sozialwissenschaftlichter und anthropologischer Grundkenntnisse auf den modernen Kult.

    Ich weiß nicht, ob das die Sache deutlicher macht. Den Text von Gründer werde ich mir natürlich dennoch zu Gemüte führen.