Der Inhalt der Íslendingabók

Die Íslendingabók besteht aus 12 Kapiteln, wobei zwei davon (unklar, an welcher Stelle sie im Buch standen) nicht erhalten sind. Ari selbst schreibt, dass er diese beiden Kapitel aus seiner Urfassung nicht übernommen hat. Sie behandelten Königsbiographien und eine Genealogie des Autors.

 

Die Namen der anderen Kapitel lauten:

  1. Über Islands Besiedelung
  2. Über die Landnehmer und die Gesetzgebung
  3. Über die Einrichtung des Allthings
  4. Über die Jahreszählung
  5. Über die Eilteilung in Viertel
  6. Über Grönlands Besiedelung
  7. Darüber, wie das Christentum nach Island kam
  8. Über die ausländischen Bischöfe
  9. Über Bischof Ísleif
  10. Über Bischof Gizur

Im Folgenden findet sich eine Zusammenfassung der einzelnen Kapitel unter Nichtmiteinbeziehung der wissenschaftlichen Redaktion. Man beachte daher, dass es sich hierbei allein um Aris Sicht und Nacherzählung handelt, die durchaus fehlerhaft sein kann.

1. Über Islands Besiedelung

Ari nennt zu allererst seine Quellen, nämlich seinen Ziehvater Teit, Sohn des Bischofs Ísleif, seinen Onkel väterlicherseits, Þorkell Gellisson, und schließlich Þóríð, die Tochter des Goden Snorri (nicht Snorri Sturluson, sondern der Held der Saga von den Leuten auf Eyr).

Er weiß zu berichten, dass der erste Landnehmer Ingólf aus Norwegen war und im Jahr 870 das erste Mal nach Island aufbrach. Erst beim zweiten Mal allerdings siedelte er sich an, und zwar in der Nähe von Reykjavík. Damals war Island noch bewaldet und von irischen Christen besiedelt, welche die Norweger Papar nannten. Diese Papar flüchteten, weil sie nicht mit Heiden zusammenleben wollten, und hinterließen Bücher, Glocken und Krummstäbe.

Solch eine Menge an Norwegern zog nach Island aus, dass Harald Schönhaar es schließlich verbot. Erst später ließ sich darauf ein, dass sich jeder, der ihm fünf Öre zahlte, auf den Weg machen durfte. Dieses Geld wurde Landöre genannt und betrug mal mehr, mal weniger.

2. Über die Landnehmer und die Gesetzgebung

In diesem Kapitel nennt Ari verschiedene Männer bei Namen und wo sie sich ansiedelten. Ulfljót aus dem Osten brachte schließlich die Gesetze nach Island: Sie stammten aus Norwegen und wurden größtenteils übernommen, aber auch in Teilen ergänzt oder gekürzt.

3. Über die Einrichtung des Allthings

Ulfljót hatte maßgeblichen Anteil an der Gründung des Allthings. Im Einverständnis "aller anderen Leute im Land" wurde es eingerichtet, wo es "heute ist". Allerdings gab es schon vorher auf Kjalarnes ein Thing, das dem Sohn des ersten Landnehmers Ingólf gehörte. Das Land für das Allthing gehörte ehemals einem freigelassenen Sklaven, der ermordet wurde, und so wurde es zum Allgemeingut erklärt.

Island war nach 60 Jahren vollständig besiedelt. Nach Ulfljót übernahmen andere Männer das Amt des Gesetzessprechers.

4. Über die Jahreszählung

Die isländische Jahreszählung unterschied sich von der in Europa üblichen: So hatte man zwei Halbjahre von insgesamt 364 Tagen, also 12 Monate á 30 Tage bzw. insgesamt 52 Wochen. Allerdings passte diese Zählung nicht, der Sommer verschob sich immer weiter nach vorne und Ósýf Helgason hatte die Idee, in jedem siebten Jahr eine zusätzliche Woche im Sommer einzuschieben. Somit dauern auf Island und im Rest Europas die Spanne von sieben Jahren trotz unterschiedlicher Anzahl von Tagen im Jahr am Ende gleich lange.

5. Über die Einteilung in Viertel

Nach einem heftigen Streit nach einem Mordbrand, der auch auf dem Allthing nicht beigelegt werden konnte, beschloss man, Island in Zonen mit lokalen Things aufzuteilen, damit Gerichtsprozesse künftig nicht vor Fremden abgehalten werden müssen. Island wurde also in Viertel mit je drei Things aufgeteilt, wobei es einzig im nördlichen Viertel vier Things gab, weil sich die Leute dort anders nicht einigen konnten.

6. Über Grönlands Besiedelung

Grönland wurde von Eirík dem Roten entdeckt und nannte es "grünes Land", um es den Menschen schmackhaft zu machen. Auf Grönland fanden die Isländer alte Siedlungen, die jenen Siedlungen glichen, die sie später in Vínland [Amerika] antrafen. Diese Menschen wurden Skrælingar genannt. Mit der Besiedelung auf Grönland wurde 15 Jahre vor der Ankunft des Christentums in Island begonnen.

7. Darüber, wie das Christentum nach Island kam

Die Christianisierung Islands lief unter dem norwegischen König Óláf Tryggvason ab. Er schickte den Priester Þangbrand in den Norden, dem es gelang, einzelne Männer zu taufen. Schließlich musste er Island jedoch verlassen, da er zwei oder drei Männer erschlagen hatte, die ihn verspotteten. Darüber geriet König Óláf in Zorn und wollte alle Isländer, die sich in Norwegen aufhielten, verstümmeln oder töten lassen. Zwei der getauften Isländer baten jedoch um das Heil dieser Männer und versprachen dem König, dass sie das Land zu christianisieren versuchen würden. Den Vorschlag wollten sie beim Allthing unterbreiten.

Einer der beiden, Hjalti, sollte dem Thing jedoch fernbleiben, denn indem er einen schmähenden Vers auf Freyja beim letzten Thing gedichtet hatte, war er mit der geringeren Acht gestraft worden. Hjalti aber ließ sich nicht abbringen und kam dennoch mit seinen Leuten herangeritten. Obwohl sie Ari zufolge ihr Anliegen gut vortrugen, kam es zum Streit und Christen und Heiden wollten künftig nicht mehr unter demselben Recht stehen. Dieser Zustand aber erschreckte den heidnischen Gesetzessprecher Þorgeir und er legte sich einen Tag und eine Nacht unter einen Mantel, um nachzudenken.

Schließlich beschloss er, dass alle Menschen auf Island Christen werden sollten, die Kindesaussetzung und der Verzehr von Pferdefleisch aber weiterhin erlaubt wären. Auch könnten die Leute im Geheimen ihre Götter ehren, nur wenn sie dabei entdeckt würden, sollten sie mit der geringeren Acht bestraft werden. Diese Erlaubnis wurde aber nur wenige Jahre später wie die anderen heidnischen Bräuche abgeschafft.

Die Annahme des Christentums hat im Jahr 1000 stattgefunden.

8. Über die ausländischen Bischöfe

Hier zählt Ari eine Menge Bischöfe aus dem Ausland auf, woher sie kamen und wie lange sie auf Island blieben. Außerdem beschreibt er, wie der Gesetzessprecher Skapti Þóroddson das Gesetz abänderte, demzufolge ein Totschläger keinen anderen mehr für seinen Mord nennen durfte (wie es in Norwegen erlaubt war). 

Über Bischof Ísleif

Ísleif war der Sohn Gizurs des Weisen und erlangte so viel Achtung, dass ihm besonders viele Söhne zur Priesterausbildung anvertraut wurden. Ísleif selbst hatte drei Söhne, die ebenfalls die kirchliche Laufbahn einschlugen. Einer von ihnen, Priester Teit, ist der Ziehvater von Ari selbst, Teits Neffe Hall zog Ari außerdem ab dem siebten Lebensjahr für 14 Jahre auf. 

Als Ari zwölf Jahre alt ist, stirbt Ísleif im Alter von 74 Jahren.

Über Bischof Gizur

Gizur ist Ísleifs Sohn und wurde zwei Jahre nach seines Vaters Tod auf Bitten der Isländer zum Bischof geweiht. Er war im Volk beliebter als jeder andere und konnte wohl nur daher auf Island den Kirchenzehnt durchsetzen, für den es nötig war, dass jeder Mann sein Eigentum ehrlich schätzte, sich darauf vereidigte und von diesem ein Zehntel an die Kirche abzahlte. Unter Gizur wurden auch die Gesetze verschriftlicht und auf dem folgenden Thing bekanntgegeben, wo sich niemand dagegen aussprach.

Ari zählt weitere Bischöfe und Gesetzessprecher auf und endet schließlich mit einer Rechnung, demnach zwei Jahre später ein neuer Mondzyklus begann und das im Jahre 1120 gewesen sei.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0