Erklärung der Stichpunkte

Die folgende Liste erklärt die Stichpunkte, die ich bei den Unterseiten der einzelnen Rune verwende, um diese zu erklären. Ziel ist es, dem Leser zu verdeutlichen, bei welchem Punkten es sich um wissenschaftlich fundierte Erklärungen handelt, die als sicher übernommen werden können, und bei welchen Punkten meine eigene Interpretation mit hineinspielt und die ergo keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit haben.
Sofern in den Artikeln der Runen Namen von Personen angegeben werden, bezeichnen diese immer Wissenschaftler, es sei denn, es wird daneben anderes festgehalten. Wissenschaftliche Theorien sind mitunter natürlich nicht unumstritten, im Gegenteil sogar häufig Grundlage für heftige Diskussionen. Sofern mir bekannt und als wichtig bewertet, gebe ich solche wissenschaftlichen Streitigkeiten wieder.
Die 24 Runen, die so besprochen werden, gehören zum Älteren Futhark, auch wenn ich – sofern vorhanden – die Weiterentwicklungen der Rune in anderen Runenreihen mit abbilde. Diese anderen Runenreihen sind noch nicht in Bearbeitung und folgen auch nicht unbedingt.

Name

Die Namen der Runen entnehme ich wissenschaftlichen Quellen. Sie sind in dieser Form geprüft und relativ gesichert, etwa weil sie schriftlichen Quellen entnommen werden. Namen, die rückerschlossen werden mussten, was für sämtliche urgermanischen Formen, also alle Namen des Älteren Futharks gilt, werden mit einem Stern * gekennzeichnet.
Die restlichen Namen beziehen sich auf jüngere Futharkreihen, die angelsächsischen etwa auf das Futhorc, die schwedischen auf eine schwedische Variante des jüngeren Futhark usw. Eine Rune einer bestimmten Reihe mit dem Namen einer geographisch fremden Sprache zu bezeichnen, ergibt also wenig Sinn.
Das ABC Nord steht für das älteste Runengedicht, das Abecedarium Nordmannicum. Dieses entstand in Süddeutschland, hat aber eindeutig nordische (dänische, friesische) Einschläge. Um Genaueres über den sprachlichen Zustand des Gedichtes zu lesen, lies auf der dazugehörigen Seite weiter.

Zu jeder Rune wird ein dazugehöriger Lautwert angegeben. In den meisten Fällen folgt dieser Lautwert nach dem Akrophonie-Prinzip, das heißt, der Anfangslaut des Runennamen entspricht dem Lautwert der Rune, wie „f” bei Fehu. Dies gilt allerdings nicht für alle Runen. Da das Ältere Futhark danach ausgerichtet war, sämtliche Laute der urgermanischen Sprache abzubilden, finden sich vereinzelte Laute, die niemals zu Beginn eines Wortes stehen. Dazu gehören etwa die Runen Algiz oder Ingwaz. Für die Rune Eiwaz dagegen ist bis heute nicht sicher, für welchen Laut sie überhaupt stand. Auch beim Lautwert folge ich streng wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Übersetzung des Runennamens entnehme ich ebenfalls wissenschaftlichen Quellen. Dabei berufe ich mich sowohl auf die Übersetzung des rückerschlossenen urgermanischen Namen als auch auf die Namensvarianten, die in den Runengedichten vorgestellt werden. Bei manchen Runen kommt es dabei zu erheblichen inhaltlichen Divergenzen.

Mit der Ordnung der Rune ist die Position innerhalb des Futhark gemeint. Jede Rune gehört zu einem von drei Ættir (Familien) und besetzt dort eine Stelle, die einer Zahl von 1 bis 8 zugeordnet wird. Diese Positionierung ist historisch nachweisbar und wurde beispielsweise dann verwendet, wenn ein Runentext verschlüsselt wurde; in dem Fall spricht man von Geheimrunen.

Steckbrief

Der Steckbrief der Runen geht im allergrößten Teil auf meine eigenen Interpretationen zurück und ist in den meisten Fällen bar jedes wissenschaftliches Fundament. Nur bei einigen wenigen Punkten und bei einigen wenigen Runen sind die jeweiligen Angaben selbstverständlich, etwa wenn für die Eibenrune Eiwaz die Pflanze Eibe oder für die Ehwaz (Bedeutung Pferd) das Pferd zugeordnet wird.

Farbe und Geschlechter

Sowohl die Farbe der Rune als auch die Geschlechter sind ganz persönliche Ansichten meinerseits, haben keinerlei wissenschaftliche oder auch nur mythologische Grundlage und können mit keinem Argument belegt oder widerlegt werden. Es handelt sich dabei um synästhetische Intuition, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich wahrgenommen werden kann. Bei Synästhesismus handelt es sich um eine angeborene Variante der Wahrnehmung, die Eindrücke eines bestimmten Sinnes mit anderen Sinnen oder anderen Konzepten verbindet. Dazu gehört es etwa, Buchstaben und Zahlen mit Farben zu assoziieren, Farben oder Buchstaben mit Stimmungen oder Klänge mit Farben.
Neben Farben teile ich belebte Dinge vor allem in Geschlechter ein. Bei dem äußerlichen Geschlecht handelt es sich um das Geschlecht, das bei Menschen und Tieren mit dem sexuellen Geschlecht übereinstimmt und daher in den meisten Fällen nicht besonders interessant ist. Allerdings teile ich auch Schriftzeichen so ein Geschlecht zu, eine Art feste Überzeugung, bei dieser und jener Rune handle es sich um ein Männchen oder ein Weibchen.
Etwas komplizierter ist das wesentliche Geschlecht, denn dieses hat mit dem tatsächlichen Geschlecht auch bei Menschen oder Tieren nichts zu tun. Das wesentliche Geschlecht hängt von dem Gefühl ab, das das jeweilige Gegenüber bei mir auslöst und das nur sehr schwer beschrieben werden kann. Grundsätzlich gelten für das weibliche Geschlecht Adjektive wie harmonisch, rund, ausfüllend, ruhend, tiefe, lange Töne, und für das männliche Geschlecht Adjektive wie geradlinig, steif, aggressiv, spitz, kantig, progressiv, hohe, kurze Töne.

Tier, Pflanze und Element

Sowohl Tier, Pflanze als auch Element werden nicht intuitiv, sondern durch Reflexion bestimmt. Welches Lebewesen und welches Element passt zu dieser Rune? Kommt eines davon bereits inhaltlich in ihr vor, etwa wenn es bei Fehu um das Vieh geht? Ansonsten schaue ich mir häufig die mythologischen Attribute an, die bestimmten Tieren oder Pflanzen zugeordnet werden und lege sie anschließend einer Rune nahe. Beim Element läuft das Ganze etwas intuitiver ab, folgt aber nichtsdestotrotz immer noch vernünftigen Erwägungen.

Mythologie, Kraft und Gegenrunen

Unter dem Stichpunkt Mythologie ordne ich die Runen einem Gott oder einer „niederen” mythologischen Figur zu, zu denen etwa Riesen, Zwerge oder Nornen gehören können. Diese ergeben sich mitunter von alleine, in seltenen Fällen werden sie sogar von der Wissenschaft nahegelegt wie im Falle der Verbindung von Fehu zu Freyr (in diesem Fall wird das im Laufe des Artikels nochmal ausgeführt). In anderen Fällen versuche ich Gemeinsamkeiten zwischen dem Wesen der Rune und dem eines Gottes zu finden.
Die Kraft einer Rune unterscheide ich in aktiv und passiv, was stellvertretend für aggressiv und defensiv stehen kann. Diese Interpretation ergibt sich meist aus der Gesamtinterpretation der Rune, ist an sich aber ebenfalls in keinster Weise wissenschaftlich.
Die Gegenrunen werden später bei der genaueren Deutung der Rune erklärt. Dabei handelt es sich sowohl um inhaltliche Gegenrunen (beispielsweise Fehu und Othala als beweglicher und unbeweglicher Besitz), um chronologische Gegenrunen als auch um formtechnische Gegenrunen, da sich einige Runen auf der horizontalen oder auf der vertikalen Achse so spiegeln lassen, dass sie zu anderern Runen werden. Zu diesen Runen wird versucht, auch eine inhaltliche Verbindung herzustellen. Hier muss allerdings klar herausgestellt werden, dass das eine interpretationstechnische Spielerei ist, um eine Rune möglichst umfassend von vielen Seiten zu beleuchten und nachzuvollziehen. Dass solcherlei Gedanken im Futhark per se festgehalten sind, ist äußerst unwahrscheinlich.
Mit den chronologischen Gegenrunen spiele ich auf eine Interpretation meinerseits an, nach der das Futhark in aufeinanderfolgende Zweiergruppen eingeteilt wird. Ein Ætt aus acht Runen besteht also aus insgesamt 4 inhaltlichen Paaren, welche zusammengehören. Sie sind nicht wild durcheinandergewürfelt, sondern folgen aufeinander.

Zeichenform

erade Helmut Arntz hat die Zeichenformen der Runen untersucht, um seine Theorie ihrer Herkunft aus den norditalischen Alphabeten zu erhärten. In meinen Augen äußerst schlüssig legt er so eine Verbindung zu norditalischen Buchstaben und den späteren Runenformen dar. Bei diesem Unterpunkt handelt es sich also um eine wissenschaftliche Betrachtung, wenn diese auch in Teilen recht umstritten ist und viele Forscher sich der Herkunft der Runen aus Norditalien keineswegs anschließen.
Ein dagegen ganz und gar nicht wissenschaftlicher Punkt ist die Interpretation der Zeichenform. Diese dient eher dazu, sich die Rune bildlich einzuprägen. In der Wissenschaft wurden zwar einige Theorien geäußert, nach denen sich die Runennamen und -bedeutungen auf die Zeichenformen beziehen, diese wurden mittlerweile aber geschlossen wieder verworfen.

Linguistische Herleitung

Die linguistische Herleitung der Runen beruft sich ausschließlich auf wissenschaftliche Quellen und soll die Bedeutung einer Rune vertiefen und unterstreichen.

Runengedichte

Bei den Runengedichten handelt es sich um fünf Gedichte, die in Europa aus verschiedenen Zeiten gefunden wurden und die Runennamen darstellen. Da es sich beim ältesten dieser Gedichte, beim Abecedarium Nordmannicum, nur um ein Merkgedicht handelt, bei dem die Runennamen aufgezählt, nicht aber poetisch umschrieben werden, wird es an dieser Stelle weggelassen (die Runennamen werden stattdessen unter „Namen – ABC Nord” angegeben). Bei den restlichen Gedichten handelt es sich (chronologisch) um das angelsächsische, das altnorwegische, das altisländische und das schwedische Runengedicht. Die Übersetzungen habe ich aus dem Buch Runengedichte von Alessia Bauer mit ihrer freundlichen Genehmigung übernommen.

Bedeutung

Bei der Bedeutung der Runen beziehe ich nur wissenschaftliche Standpunkte mit ein und ordne diesen den unterschiedlichen Forschern zu.
Absolut nicht wissenschaftlich in dem Sinne, dass ich hierzu Quellen aufführen könnte, ist der Unterpunkt „Weitere Interpretationen”, wo ich ausschließlich eigene Ansichten erkläre. Hier folgen vor allem Erklärungen, inwiefern man die gegebene Rune mit ihren Gegenrunen in Beziehung setzen kann. Vieles davon ist wie gesagt reine interpretatorische Spielerei, von einer historischen Wurzel dagegen bin ich bei meiner Theorie überzeugt, die Runen seien nach Paaren sortiert (die oben angesprochene „chronologische Gegenrune”).

Weiterentwicklung

Unter dem Unterpunkt Weiterentwicklungen beschreibe ich, wie die Rune des Älteren Futharks in andere Runenreihen übernommen, verändert oder eliminiert wurde. Auch dieser Unterpunkt legt auf wissenschaftliche Genauigkeit wert.

Die Quellen für die wissenschaftlichen Aussagen finden sich auf der Hauptseite der einzelnen Runen.

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